Holzhandel

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HessenForst stellt Aufarbeitung von Käferholz ein

Anfang Oktober 2019 stellte HessenForst, ein Landesbetrieb des deutschen Bundeslandes Hessen, die weitere Aufarbeitung von Käferholz weitgehend ein. Wie auch andere Betriebe berichten, decken die Erlöse aus dem Holzverkauf die Kosten der Ernte nicht mehr bzw. ist das Holz derzeit überhaupt unverkäuflich. Auf forstpraxis.de ist dazu eine ausführliche Stellungnahme des Leiters Michael Gerst nachzulesen:

Wir als HessenForst haben in diesem wie im vorigen Jahr dem Forstschutz die höchste Priorität zukommen lassen und in einem Kraftakt in den ersten drei Quartalen 2019 in Zusammenarbeit mit Holzernteunternehmen, Holzrückern und Fuhrleuten die vierfache Menge Fichtenholz gegenüber Normaljahren aufgearbeitet und die Borkenkäfergradation nach Kräften einzudämmen versucht. Allen Beteiligten, insbesondere auch der ausgezeichneten Forstunternehmerschaft, danke ich für ihr Engagement. Nur durch ihren Einsatz konnten wir gemeinsam Erfolge erzielen und Fichtenbestände sichern. Doch die Veränderung ist in ihrem Ausmaß und ihrer Dynamik so neu und groß, dass wir ein Verharren in überkommenen Strukturen der Krisenbekämpfung nicht verantworten können. [….] Zudem war die Aufnahmefähigkeit des Holzmarktes absehbar überfordert.

Forstliche Unternehmen kritisch

Die Schlägerungsunternehmen, die den größten Teil der Aufarbeitung übernommen hatten, fühlten sich überrumpelt. Maurice Strunk, Geschäftsführer der AfL Hessen, eines Zusammenschlusses forstlicher Dienstleister, in seiner kritischen Stellungnahme auf forstpraxis.de:

Dutzende Unternehmen haben ihre Aufarbeitungskapazitäten in den letzten Wochen zugesagt und Maschinen in die betroffenen Regionen in Hessen gebracht oder dort belassen. […] Aufträge anderer Waldbesitzer wurden dabei nicht angenommen. Es wurden zusätzliche Maschinenkapazitäten beschafft und befinden sich in der Finanzierung. Nicht zuletzt wurden Übernachtungskapazitäten für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gebucht, die nun nicht mehr storniert werden können.

Lagermöglichkeiten der Industrie ausgereizt

Im Holzmarktbericht der österreichischen Landwirtschaftskammer für Oktober 2019 heißt es übrigens: “Die Standorte der österreichischen Sägeindustrie sind aufgrund des in Mitteleuropa anfallenden Kalamitätsholzes nach wie vor sehr gut mit Nadelsägerundholz bevorratet. Bei regional kontingentierter Übernahme verzögert sich dementsprechend der Holzabtransport mit Wartezeiten von mehreren Wochen. […] Die Lagermöglichkeiten – inklusive Außenlager – der Zellstoff-, Papier- und Plattenindustrie sind meist ausgereizt. Daher ist Nadelindustrierundholz außerhalb von Verträgen meist nicht vermarktbar”.

Zum Weiterlesen

Lebensspuren in Wald und Forst

Zu meiner Freude habe ich vor kurzem erfahren, dass ich die Rahmen des Bucklige-Welt-weiten Projekts “Erlebbare Zeitgeschichte im Land der tausend Hügel” gesammelten Lebenserinnerungen und Photos für meine Ausstellung verwenden darf.

Cover des Buches Lebensspuren II Was steckt hinter diesem Projekt? “Das Zeitzeugenprojekt ‘Erlebbare Zeitgeschichte im Land der tausend Hügel’ blickt inzwischen auf zehn Jahre intensiver Aktivitäten zurück. Durch das Engagement zahlreicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, unter Mitwirkung der Gemeinden, Schulen und zahlreicher Institutionen der Region sowie von zwei Universitäten ist ein regelrechter Schatz an Quellen zusammengetragen worden: Annähernd 350 ältere Menschen aus der Region wurden interviewt, zahlreiche lebensgeschichtliche Erinnerungstexte wurden geschrieben und knapp 3000 Fotos gesammelt. Mit dieser einzigartigen Sammlung wird die Alltagsgeschichte der Region im 20. Jahrhundert ausführlich dokumentiert” (Quelle: Folder zum Projekt). Die gesammelten Texte und Bilder werden in der “Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen” am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien verwahrt, wo ich sehr freundlich und entgegenkommend betreut wurde.
Mittlerweile sind im Kirchschlager Verlag Mayrhofer drei Regionsbücher unter dem Reihentitel “Lebensspuren” erschienen, in denen die Geschichte der Buckligen Welt und ihrer BewohnerInnen unter verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet wird und in denen ein großer Teil der erwähnten Bilder abgedruckt ist. Herausgeber sind Johann Hagenhofer und Gert Dressel. Für mich erweist sich besonders der Band II, “Arbeit und Freizeit im Land der tausend Hügel“, interessant.

“Wir sind dann im Winter Holzschlagen gegangen. Da haben wir Faserholz und das Zeug verladen und zum Bahnhof geführt. Da ist es umgegangen, da sind die Holzhändler dort’n gestanden, wie wir das Holz eingeladen haben, am Waggon ist der mit der Brieftasche da gewesen und hat uns das Geld gegeben. Und man ist mit’m Geld heimgefahren. Das war ganz selbstverständlich. Nur haben wir damals auch nicht gewusst, dass das eh schön ist. Heute, wenn man Holz hat, muss man froh sein, wenn es einer nimmt, um den Preis braucht man gar nicht fragen, und wann man das Geld kriegt, auch nicht”.

Quelle des Zitats: Zeitzeugenprojekt “Erlebbare Zeitgeschichte im Land der 1000 Hügel”, Interview von Tina Gneist und Ria Mössner [Hauptschule Wiesmath] mit dem Landwirt Franz Mössner, am 15. Februar 2006

Im Oktober 2014 habe ich an der Buchpräsentation des dritten Bandes, “Krieg und Verfolgung”, in der Landwirtschaftlichen Fachschule Warth teilgenommen. Ich hatte mir ehrlich gesagt einen Abend à la “Politiker sprechen endlos, dann kommt ein bisschen was zum Buch, dann ist der Buchkauf eröffnet” vorgestellt. Hier war das ganz anders, und so sind die fast drei Stunden (!) wie im Flug gegangen. Dass an dem Projekt so viele Schülerinnen und Schüler aus der Region mitgemacht haben, finde ich von vornherein schon eine großartige Idee – so bringt man die Generationen zusammen! Bei der Buchpräsentation führten einige dieser jungen Leute auf der Bühne Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen bzw. lasen lebensgeschichtliche Texte vor. Dabei hat mir gefallen, dass nicht eine neue “Heldengeschichte” geschrieben wurde, sondern Verfolgung und Vertreibung, z.B. der jüdischen Bevölkerung, deutlich gemacht wurden. Sogenannte “Russenkinder“, also Kinder von sowjetischen Besatzungssoldaten, berichteten über die oft jahrzehnte lang dauernde Suche nach ihren Vätern bzw. deren Familien – sehr bewegend. Die Musikstücke bezogen sich auf die jeweils behandelten Bevölkerungsgruppen, z.B. die Roma.

Der Preis von 29,90 Euro pro Band ist angesichts der hochwertigen und ansprechenden Machart und der vielen Abbildungen wirklich nicht hoch und konnte wahrscheinlich dank der Sponsorinnen und Sponsoren erreicht werden.