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Kategorie: Politik & Recht

Forstpolitik, Waldpolitik, Forstrecht, Jagdrecht, Naturschutzrecht, Umweltpolitik…

Historia Agraria: Zeitschrift nun open access verfügbar

Die Zeitschrift Historia Agraria. Revista de agricultura e historia rural zur Geschichte der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes ist seit heuer eine Open Access-Zeitschrift. Aktuelle und frühere Ausgaben können kostenlos und ohne Registrierung auf der Website historiaagraria.com heruntergeladen werden. „Historia Agraria is an open access journal specialized in agricultural and rural history. The publication is a meeting point between various disciplines which have in common the analysis of agricultural history and the economy and rural society not only in Spain but also in other areas specifically in Latin America. Its objective is to spread the word to the Spanish speaking world about research related to the history of the rural world in all stages and fields which may be of interest to specialists, covering themes that date back to the beginnings of the feudal system as well as those which exist now“.

Artikel zu Forstgeschichte & Forstwirtschaft

Die Beiträge werden auf Spanisch, Portugiesisch oder Englisch akzeptiert, es gibt aber auf alle Fälle englischsprachige Abstracts. Beispiele für Aufsätze mit Forst-Bezug:

  • Research on Portuguese Forest History in the 19th and 20th Centuries: Trends and Pitfalls
  • Privatization or plundering? The disentailment of public forests in Almodóvar del Campo, Ciudad Real (1845-1897)
  • Market Pressure on the Italian Forest Legislation (18th –& 19th Centuries)
  • Cork appropriation and management in Valdelosa (Salamanca, Spain), 1835-1975
  • Civilizing the forest: capital, space and business in the former Spanish Continental Guinea, 1926-1936

Hinweis aus dem empfehlenswerten Rural History Newsletter.


 
Wald und Forst im neuen Regierungsprogramm

Das Regierungsprogramm 2017-2022 der ÖVP-FPÖ-Koalition enthält in den Abschnitten „Umwelt“ und „Landwirtschaft und ländlicher Raum“ einige Punkte zum Thema Wald und Forstwirtschaft. Im Bereich „Energie“ kommen erneuerbare Energien und Biomasse vor, aber z.B. Hackschnitzel werden nicht dezidiert angeführt. Einfluss werden sicher auch andere Punkte haben, bei denen Wald und Forst nicht explizit angeführt werden. Es empfiehlt sich, auch jeweils die einführenden Texte zu den jeweiligen Kapiteln zu lesen. Die „Reduktion des Schilderwaldes“ im Straßenverkehr sei zum Schluss auch noch erwähnt 😉

Umwelt
  • Forcierter Schutz vor Naturgefahren: Ausbau des Hochwasserschutzes und Verstärkung der nachhaltigen Schutzwaldbewirtschaftung (Naturverjüngung des Waldes); Bündelung der Kompetenzen und des Managements zum Schutz vor Naturgefahren (Wildbach- und Lawinenverbauung, Bundeswasserbauverwaltung und Via Donau)
  • Umsetzung der Waldstrategie
  • Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für öffentliche Gebäude zur Umstellung der Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien (einschließlich Fernwärme)
  • Einsatz von heimischen Baustoffen (z.B. Holz) im öffentlichen Raum forcieren
Landwirtschaft und ländlicher Raum
  • Die Bundesregierung bekennt sich zu einer multifunktionalen, wettbewerbsfähigen und flächendeckenden Land- und Forstwirtschaft auf Basis einer ökosozialen Agrarpolitik.
  • Exportinitiativen für Agrarprodukte, Lebensmittel, Zuchtvieh, Forst– und Umwelttechnologie
  • Umsetzung der österreichischen Waldstrategie 2020 und Stärkung der aktiven, multi-funktionalen nachhaltigen Waldbewirtschaftung forcieren
  • Österreich als Forstland positionieren
  • Unterstützung der nachhaltigen Nutzung (klimafitter Wald) und Multifunktionalität der heimischen Wälder durch Sicherstellung der Schutz-, Erholungs-, Wirtschafts- und Wohlfahrtsfunktion
  • Ausarbeitung einer österreichischen Sektorstrategie für die Forstwirtschaft, um bei den Querschnittsmaterien bessere Synergien zu schaffen
  • Schutz der Eigentumsrechte gewährleisten
  • Öffnung der Forststraßen im Wald für Mountainbikes nur auf vertraglicher Basis
  • Ausweitung des Versicherungsschutzes in der Land- und Forstwirtschaft, um Klimawandel, Seuchen und Wetterextreme besser abzudecken

 
Wald in Russland: „Halbdunkel, Illegalität und Bedrohung“
Thomas Claveirole: Chute #3, train 110, Russie, juillet 2010. Flickr, CC-BY-SA. Schwarz-Weiss-Bild eines Walds in Russland Thomas Claveirole: Chute #3, train 110, Russie, juillet 2010. Flickr, CC-BY-SA

In der Zeitschrift Archiv für Kulturgeschichte 78 (1996) 2 bin ich auf einen interessanten Artikel über Waldpolitik in Russland gestoßen: „Straße und Wald im Zarenreich“ von Christoph Schmidt. Der Artikel ist leider nicht frei verfügbar – ich konnte ihn erfreulicherweise online über die Universitätsbibliothek Wien beziehen. Zum „Gustomachen“ zitiere ich hier den Anfang:

Am 14. Oktober 1735 erließ der Petersburger Senat den Befehl, an der Landstraße nach Moskau stellenweise die Bäume zu roden, um die Fahrbahn auf dreißig Saien (ca. sechzig Meter) zu verbreitern. Zweck dessen war der Versuch, den Schutz der Reisenden vor Überfällen zu erhöhen. Diese Anordnung, die man vorderhand als Eingeständnis einer versagenden Strafverfolgung begreifen kann, läßt sich ebenso als Hinweis auf zwei Antagonisten auffassen: Weicht einer zurück, setzt der andere nach. Dabei verkörpert das Medium „Straße“ Eigenschaften wie Tageslicht, Technik und staatliche Ordnung, während sein Opponent „Wald“ für Halbdunkel, Illegalität und Bedrohung steht. Zwischen Straße und Wald scheint sich damit ein tiefreichender Gegensatz aufzutun.

Schmidt beschreibt auch rechtliche und politische Maßnahmen zum Schutz des Waldes, zur Deckung des Holzbedarfs etc. Mit Wald verbundene Steuerpolitik, die Einrichtung eines eigenen Forstdepartements im Finanzministerium, die Gründung von Forstschulen und vieles mehr kommen ebenfalls vor.

Bäume und Waldgeister in russischen Mythen

Besonders interessant fand ich auch die erwähnten Baum- und Waldmythen:

Geradezu überraschende Vielfalt hatte sich auf immaterieller Ebene ausgebildet, da benachbarte Kreise oftmals unterschiedliche Baum- und Waldmythen kannten. Im Gouvernement Orel erzählte man sich beispielsweise davon, daß manche Eiche einen habgierigen Menschen gefangen halte; bei Smolensk hieß es, eine Begegnung mit der Frau des Waldgeistes nach deren Niederkunft berechtige dazu, sich von ihr Geld zu wünschen. Wer darauf hereinfalle, werde erleben, wie die von ihr erhaltenen Münzen nach Verlassen des Waldes zu Kohle würden. Wer sich jedoch als bescheiden erweise und der Versuchung widerstehe, dem bleibe fortan das Glück treu. In beiden Fällen wurde der Wald zur moralischen Instanz verklärt, die vermeintlich Maßlose zur Rechenschaft zog.


 
Tausendjährige Linde in Kirchberg
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Bild: Monika Bargmann, CC-BY-SA

Diese tausendjährige (sprich seeehr alte) Linde und das dazugehörige Gasthaus habe ich am 24. Februar 2013 in Kirchberg am Wechsel aufgenommen. Die Linde ist auch abgesehen von den Lindenblüten ein interessanter Baum, wie ich seit dem Referat einer Lehrgangskollegin weiß. Sie diente nämlich als Gerichtsbaum, und laut einer Studie von HistorikerInnen wurden unter Linden mildere Urteile gefällt als unter Eichen. Ob der süße Duft dafür sorgte oder bei weniger schweren Verbrechen die Urteile prinzipiell eher unter der Linde gesprochen wurden, konnten wir damals nicht klären.

Zum Weiterlesen: Gerichtsbaum, Gerichtslinde, Tausendjährige Linde.