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Wald – Rückzugsort für erschöpfte Großstädter?

Timon Karl Kaleyta schreibt in seinem FAZ-Artikel „Neue deutsche Angst“ vom 27. November 2018:

Es ist ja gerade mal ein halbes Jahr her, da schickte die Bestseller-Autorin Charlotte Roche aus ihrem frisch bezogenen Bauernhaus-Idyll weit vor den Toren Kölns eine Kolumne hinaus in die Welt, in der sie alarmistisch dazu aufrief: ‚Verlasst die Städte!‚ Der vieldiskutierte wie kritisierte Text traf einen Nerv, stieß er doch offenbar auf eine digital übersäuerte, abgeschlaffte Großstadt-Gesellschaft, die sich schon länger darin erschöpft, ihre ‚Akkus‘ beim Pilze sammeln und Brot backen im Umland zu laden und die für eine kurze Pause vom eigenen Smartphone gezielt in brandenburgische Funklöcher flüchtet und dort nebenher, an den langen Wochenenden, den Jagdschein machte und sich bei Manufactum für den Ernstfall eindeckte.

Kaleyta trifft es aus meiner Sicht ziemlich gut. Ich wohne ja selber am Land, schätze als „Frau von Wald“ das Landleben und den Wald. Mir kommt aber manchmal vor, dass die allzugroßen Lobpreisungen immer von denen kommen, die dann noch die praktische Stadtwohnung haben und die gut bezahlten Jobs mit Home-Office. Unter der Woche in der Stadt und im Theater und in der Ausstellung, am Wochenende dann das tolle Landleben im Zweithaus. Das sind oft Leute, die die Nachteile des Landlebens deutlich weniger spüren als jene, die immer hier wohnen. Ich denke an den öffentlichen Verkehr, die Kinderbetreuung, das kulturelle Angebot etc.etc. Gut, vielleicht übertreibe ich etwas. Was meint Ihr dazu?


 
Hermann Hesse: Bäume

Bäume sind für mich immer die eindringlichsten Prediger gewesen. Ich verehre sie, wenn sie in Völkern und Familien leben, in Wäldern und Hainen. Und noch mehr verehre ich sie, wenn sie einzeln stehen. Sie sind wie Einsame. Nicht wie Einsiedler, welche aus irgendeiner Schwäche sich davongestohlen haben, sondern wie große, vereinsamte Menschen, wie Beethoven und Nietzsche. In ihren Wipfeln rauscht die Welt, ihre Wurzeln ruhen im Unendlichen; allein sie verlieren sich nicht darin, sondern erstreben mit aller Kraft ihres Lebens nur das Eine: ihr eigenes, in ihnen wohnendes Gesetz zu erfüllen, ihre eigene Gestalt auszubauen, sich selbst darzustellen. Nichts ist heiliger, nichts ist vorbildlicher als ein schöner, starker Baum.

Buchcover mit Zweigen und gruenen Blaettern, Hermann Hesse: Baeume, Insel-VerlagDas Buch „Bäume“ mit Texten und Zeichnungen von Hermann Hesse und Farbphotographien von Dagmar Morath ist in der Reihe Insel-Bücherei erschienen. Es ist die erfolgreichste Anthologie des Verlages. Das Buch ist gebunden in Geschenkausstattung und als eBook erhältlich und so schön wie alle Insel-Bücher.

Die Natur und das Leben mit dem (vermeintlichen?) Widerspruch zwischen Natur und Geist ist ein häufiges Motiv in Hesses Werken. Die Berge spielten auch in seinem Leben eine große Rolle, er sah sie als „Inbegriff ursprünglicher Natur und ein Rückzugsort in Schaffenskrisen“ (bergzitat.de). Bäume begleiteten Hesse bis zu seinem Tod: Noch in seiner letzten Lebenswoche schrieb er das Gedicht „Knarren eines geknickten Astes„.

Zum Weiterlesen: „Hermann Hesse on What Trees Teach Us About Belonging and Life“ von Maria Popova auf der insgesamt sehr empfehlenswerten Seite BrainPickings und „Die Bedeutung der Natur in der Lyrik von Hermann Hesse und Li Tai Pe“ von Zhuangying Chen in der Zeitschrift „Literaturstraße. Chinesisch-deutsches Jahrbuch für Sprache, Literatur und Kultur„.


 
Förster blickt zurück: Roman über den „Traumberuf“

Buchcover, oben Schrift "Vom Traum zum Albtraum. Roman über den Traumberuf Foerster", unten Gemälde mit Baeumen und gruenem HutWeil ich regelmäßig bei Online-Antiquariaten nach „Förster“ und „Forstwirtschaft“ suche, bin ich kürzlich auf ein sehr interessantes Buch gestoßen: „Vom Traum zum Albtraum. Roman über den Traumberuf Förster“ von Kurt Offermann. Ich nenne nun Exemplar 205 der auf 1000 Stück limitierten, numerierten Auflage mein eigen.

Der 1942 geborene Offermann war Forstbeamter im Dienst des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, zuletzt als Forstamtsleiter des Forstamtes Gevelsberg. Er kann also auf einen großen forstlichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Der Roman hat autobiographische Elemente, und die Erlebnisse des Autors sind mit eingeflossen, es ist aber künstlerisch überhöht und mit erfundenen Elementen montiert. Übrigens, auch das Coverbild stammt von Offermann.

Dem Buch vorangestellt ist ein Zitat von Bertolt Brecht: „Weißt du, was ein Wald ist? Ist ein Wald etwa nur zehntausend Klafter Holz? Oder ist er eine grüne Menschenfreude?“. Der Untertitel „Roman über einen aussterbenden Beruf in einer dem Siechtum preisgegebenen Verwaltung in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts“ verrät schon einiges über die Ausrichtung des Werks – der Autor dazu:

Die vordergründige Einsparpolitik heutiger Regierungen zerschlägt die Forstverwaltungen um kurzfristig Geld zu sparen, ohne zu erkennen, dass damit mittel- und langfristig die Grundlagen einer umfassend nachhaltigen Nutzung des Waldes zerstört werden. Dazu wird die Entwicklung der letzten 50 Jahre dargestellt. Eindringlich wird auch auf Eigentumsverhältnisse – der größte Teil des Waldes gehört vielen kleinen Waldbesitzern – und die daraus entstehenden Zielkonflikte eingegangen.

Das Buch kann – abgesehen von Antiquariaten – nur direkt beim Autor bezogen werden. Alle Informationen dazu auf der Website des Autors, kofferberg.de. Berichte über das Buch sind u.a. in der Westfalen-Post vom 10. Dezember 2007 erschienen.


 
Jagdkulturatlas Bayern: vom Jagdschloss zum Wilderergrab

Der Bayerische Jagdverband hat ein wunderbares Online-Projekt gestartet: den Jagdkulturatlas Bayern.

Jagdkulturelle Objekte gibt in es in vielgestaltiger Form. Die die meisten davon blieben uns bisher verborgen, da sie noch nicht systematisch erfasst und dokumentiert worden sind. Mit dem Jagdkulturatlas Bayern lassen sich nun interessante Geschichten rund um die jagdlich kulturellen Schätze unserer Heimat, und gerne über die Grenzen hinaus geografisch verorten und interaktiv abrufen.

Der Atlas kann nach dem Namen des Objekts, der Kategorie (Bauwerk, archäologische Stätte, Flurdenkmal, Kulturlandschaft, Museum/Sammlung), Postleitzahl, Ort und nach dem erläuterndem Text durchsucht werden. Eingetragen sind z.B. ein Grenzstein, auf dem ein Jagdhorn abgebildet ist, Jagdschlösser, ein Dianabrunnen, eine Eustachius-Kapelle und das (vermeintliche) Grab des Wildschützen Georg Jennerwein. Der Atlas lebt vom Mitmachen!


 
Wanderin verletzt, Baumfäller schuld

Frau getroffen: Baumfäller ist schuld„, titelt Philipp Aichinger in der heutigen „Presse“ in einem Bericht über ein OGH-Urteil. Es war weder eine Warntafel aufgestellt noch ein Posten eingerichtet noch ein Warnruf erfolgt. Zwar waren Motorsägengeräusche zu hören gewesen, aber „bereits das OLG [habe] zu Recht konstatiert, dass ‚ein Sägegeräusch nicht stets das Fällen eines Baums signalisiert, sondern auch bei sonstigen Holzarbeiten entsteht'“. Dadurch war eine Wanderin vom umfallenden Baum getroffen und schwer verletzt worden.

Ein Hinweis, wie wichtig es ist, die nötigen Maßnahmen korrekt durchzuführen! Die Land&Forst-Betriebe Österreich stellen dazu das Praxishandbuch „Rechtssicherheit bei der Beschilderung im Wald. Beschränkungen der Benützung von Grund und Boden im Überblick“ auf ihrer Website bereit. Autorin ist die Juristin Stefanie Wieser.

Die gesamte Entscheidung ist derzeit leider noch nicht auf der OGH-Website veröffentlicht.


 
GIS Applications in Forestry: kostenloser Kurs

Die Plattform gicases.eu entstand im Rahmen eines EU-Projekts zur Förderung der Ausbildung im Bereich der geographischen Informationssysteme (GI). Hier werden verschiedene kostenlose Online-Kurse angeboten. Es gibt zum Beispiel einen Kurs „GIS Applications in Forestry„:

This course describes how the GIS technology can effectively and efficiently support forest planning and forest management. It helps to deal with the numerous objectives in forestry and their complexity. It introduces participants in the use of GIS tools in Forestry domain, thus overcoming i) weaknesses in methods development due to lack of data, ii) the unfamiliarity with the market needs and iii) the different areas of focus, that follow the academic courses approach. […]

The available training material is based on real cases and provide paradigms and data for three main areas in Forestry such as, Forest Risk Mapping, Forest Fire monitoring and Forest Fire simulation. Its educational significance is considered of high importance and a strategic approach for delivering education and training resources for students in this field has been followed. Following this course is important in developing a more structured career path for forestry operatives, improve their skills and understanding of forest fires behaviour, while helping them to understand the needed training paths in order to be prepared for more complex analysis and use of various geodata sets.

Using the provided educational and training materials, the basic steps of developing a forestry geodatabase appropriate for further analysis and production, as well as the use of satellite image data and forest fire simulation techniques become gradually familiar to the student and help to formulate and test the steps needed for preparing the materials needed for supporting field operations and for executing real time forest fire simulations.

Dieser Kurs besteht aus den Modulen „Forest Management“ und „Forest Fire Management“.

Apropos GIS und Forst: Auf der FAST Pichl wird im November 2018 und im Jänner 2019 der Kurs „Forstkartenerstellung mit QGIS-Forst für EinsteigerInnen“ angeboten. Der weiterführende Kurs für Fortgeschrittene findet im Februar statt.


 
Emily Carr: Autumn Woods

Die kanadische Malerin und Autorin Emily Carr (1871-1945) setzte sich zeit ihres Lebens mit den indigenen Völkern Alaskas und British Columbias (First Nations bzw. Alaska Natives) auseinander. Das zeigt sich in in ihren Gemälden von Totempfählen und anderen indianischen Motiven und in ihren Landschaftsbildern. „Paintings from Carr’s last decade reveal her growing anxiety about the environmental impact of industry on British Columbia’s landscape. Her work from this time reflected her growing concern over industrial logging, its ecological effects and its encroachment on the lives of indigenous people“ (Wikipedia).


 
Tagungsbericht: Kollektive Weiden und Wälder

Auf der geschichtswissenschaftlichen Plattform h/soz/kult ist ein Bericht über die Tagung „Kollektive Weiden und Wälder – Ökonomie, Partizipation, Nachhaltigkeit“ von Ines Brändli erschienen. Neben Vortragenden aus Frankreich, Italien, Slowenien und der Schweiz war auch eine Österreicherin vertreten:

Einen Einblick in die Kollektivbewirtschaftung des Waldes im österreichischen Kärnten bot die Historikerin und diplomierte Forstwirtin ELISABETH JOHANN (St. Margareten) mit ihrem Vortrag zum gemeinschaftlichen Eigentum im Gebiet des heutigen Nationalparks Hohe Tauern.

Die Beiträge sollen nächstes Jahr im Jahrbuch „Histoire des Alpes – Storia delle Alpi – Geschichte der Alpen“ erscheinen.


 
Fortbildung: Recycling von Altholz

Ein mir neuer Blickwinkel auf Holz, über den ich gerade gestolpert bin: die Wiederverwertung von Altholz und die Recyclingholzverordnung. Der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) bietet am 20. November 2018 eine Fortbildungsveranstaltung zu den „Neuerungen rund ums Altholz“ an.

Im Juli dieses Jahres wurde die Novelle zur Recyclingholzverordnung veröffentlicht. Mit dieser Novelle wird die Recyclingquote für Altholz im Sinne der Abfallhierarchie wesentlich erhöht. Dies soll einerseits durch eine verpflichtende, getrennte Erfassung am Anfallsort (Quellensortierung) und andererseits durch die Einführung eines Recyclinggebots erreicht werden. Die vorliegende VOEB-Veranstaltung soll die Betriebe entsprechend informieren und sie auf die neue Rechtslage – die ab dem 1. Jänner 2019 gilt – vorbereiten.

Programm
  • 10:30 Uhr Möglichkeit der Werksbesichtigung bei der Firma Egger GmbH (10:15 Uhr Treffpunkt – bitte um pünktliches Erscheinen)
  • 12:00 Uhr Mittagsimbiss
  • 12:45 Uhr Begrüßung
  • 13:00 Uhr Die Recyclingholz-Verordnung – die neuen rechtlichen Vorgaben (Hubert Grech, Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus)
  • 13:40 Uhr Quellensortierung von Altholz – der neue ÖWAV-Leitfaden als Hilfestellung (Gerald Sertschnigg, KAB Kärntner Abfallbewirtschaftung GmbH)
  • 14:10 Uhr Quellensortierung und Recyclinggebot aus Sicht der Abfallwirtschaft – Umsetzung in der Praxis und welchen Einfluss hat dies auf den Holzmarkt? (Freddy Pinteritsch, FCC Austria Abfall Service AG)
  • 14:40 Uhr Kaffeepause
  • 15:00 Uhr Quellensortierung und Recyclinggebot auf der Baustelle – ein Status quo (Alois Fürnkranz, Sillaber Muldenservice GmbH)
  • 15:30 Uhr Altholzmarkt in Österreich und international – Überblick zu Mengen, Qualität und Preis (Florian Tretzmüller, Fritz Egger GmbH & CO. OG)
  • 16:00 Uhr Sortierroboter in der Altholzaufbereitung (Thomas Baldt, Thomas Baldt e.U.)

Weitere Angaben und Anmeldung.


 
Bundesforste suchen MitarbeiterInnen für Stichprobeninventur 2019

Die Österreichischen Bundesforste suchen Studierende der Forstwirtschaft, die zwischen Mai und Oktober 2019 praktische Erfahrung bei der Stichprobeninventur sammeln wollen.

Erwartung:

  • erfolgreicher Abschluss der Vorlesungen und Übungen aus „Dendrologie“ oder vergleichbaren Lehrveranstaltungen
  • Beherrschen des Verfahrens mit der Winkelzählprobe und der sichere Umgang mit dem Spiegelrelaskop
  • Motivation und hohe Einsatzbereitschaft
  • Verhandlungssichere Deutschkenntnisse
  • Geländetauglichkeit
  • Privat‐PKW von Vorteil

Angebot:

  • Einsatz in den schönsten Naturgebieten Österreichs
  • 8–26 Wochen Außendienst in einem der 12 Forstbetriebe
  • interessante und herausfordernde Geländetätigkeit in einem Zwei‐Personen‐Team
  • Einblicke in die Praxis der Forstinventur
  • Kennenlernen der ÖBf als Arbeitgeber
  • Temporäre Anstellung und bei Bedarf kostenlose Unterbringung

Bewerbungen bis spätestens 6. Jänner 2019 über das Bewerbungsportal karriere.bundesforste.at. Dort gibt es auch Informationen zur Bezahlung etc.