Kunsthandwerk & Kunst

Schnitzen, Drechseln, Krippenbau, Holzbildhauerei, Holzschnitt, Papierkunst; Darstellungen von Wald, Baum und Holz in der bildenden und angewandten Kunst…

Sarah Ross-Thompson: All in a row

Die Graphikerin Sarah Ross-Thompson wurde 1965 geboren und lebt an der Westküste Schottlands. Sie hat sich auf die Technik der Collagraphie spezialisiert, dabei werden die Druckvorlagen als Collage gestaltet: “I construct my collage printing plates using materials such as string, salt, corrugated card, porridge oats and lichen”. Mehr auf ihrer Website rossthompsonprints.com.


Rebecca Vincent und die englische Landschaft

Drawing upon memories and impressions of the English landscape, I transform what I see to bring you the essence of what we love about the world around us. Each element of the land – fields, hills, trees, flowers and coast – finds its ideal form and place within my pictures. (Quelle)

Die britische Künstlerin Rebecca Vincent zeigt in ihren Radierungen und Monotypien typische Elemente der englischen Landschaft. Auf dem wunderbaren Bild “Spring Shadows” sind die berühmten Bluebells zu sehen. Diese blau-violetten Blumen bilden im April und Mai einen richtigen Teppich im Frühlingswald. Sie sind nicht nur eine Augenweide, sondern auch eine Zeigerpflanze für sogenannte “ancient woodlands“, also ein Waldgebiet, das seit mehreren Jahrhunderten als solches besteht.

Auf Deutsch heißt die Pflanze übrigens “Atlantisches Hasenglöckchen” oder “Waldhyazinthe”, der botanische Name ist “Hyacinthoides non-scripta”.


Digitale Ringvorlesung “Romantische Ökologien”

Das Forschungsprojekt “Romantische Ökologien” widmet sich der romantischen Auseinandersetzung mit ökologischen Fragestellungen. Analysiert werden dabei naturwissenschaftliche und literarische Texte aus dem Zeitraum zwischen 1790 und 1850, zudem exemplarische Werke der bildenden Künste und der Musik. Im Sommersemester 2021 findet zu diesen Themen eine Digitale Ringvorlesung statt. Organisiert von Roland Borgards (Uni Frankfurt), Frederike Middelhoff (Uni Frankfurt), Barbara Thums (Uni Mainz).

Die Vorlesungen finden immer am Mittwoch ab 18:15 Uhr statt. Die Teilnahme ist online via Zoom möglich, der erste Termin ist der 14. April. Eine Anmeldung ist erforderlich.

Den Hinweis hab ich aus h-germanistik.

Zum Inhalt

Rauschende Wälder, murmelnde Bäche, flüchtiges Getier: Kunst und Literatur der Romantik bergen eine reiche Flora und Fauna. So gilt denn auch “Natur” als eines der zentralen Themen dieser Epoche. Entsprechend beziehen sich heute sowohl die politischen Umweltbewegungen als auch das wissenschaftliche Forschungsfeld der sogenannten ‚Environmental Humanities‘ immer wieder auf die Romantik. Bereits in der “ersten Welle” literatur-, kunst- und kulturhistorischer Umwelt-Forschungen in den 1970/80er Jahren wurde die europäische Romantik als Dynamisierung und Konkretisierung eines ökologischen Denkens begriffen, aus dem unser modernes Verständnis von ökologischen Zusammenhängen überhaupt erst hervorgegangen ist: Unser eigenes ökologisches Denken und Handeln haben ihren Ursprung in der Romantik.

Bislang wird diese Vor- und Frühgeschichte der Ökologie in erster Linie unter Verweis auf eine Handvoll Autoren (notabene: keine Autorinnen) rekonstruiert. Diese etablierte Protoökologieerzählung wird in der Vorlesung mit Blick auf die reichhaltigen Bedeutungen des Ökologischen und auf die Diversität der Romantik erweitert. Damit pluralisiert die interdisziplinäre Ringvorlesung das Verhältnis zwischen Romantik und Ökologie, indem es den Ausprägungen ökologischen Denkens (“Ökologien”) im Rahmen von literatur-, kunst-, musik-, geschichts- und medienwissenschaftlichen Vorträgen nachgeht. Im Zentrum der Vorlesungen stehen also romantische Kunstwerke: Romane, Gedichte, Gemälde, Kompositionen. Analysiert werden diese Kunstwerke und die in ihnen formulierten romantischen Ökologien immer auch aus der Perspektive wissensgeschichtlicher, ästhetiktheoretischer und methodologischer Fragen zum Verhältnis von Romantik und Ökologie.

Programm

14.04.2021 Frederike Middelhoff (Frankfurt): Durch die Blume gesprochen. Ökologische Phytopoesien der Romantik

21.04.2021 Kate Rigby (Bath, UK): Sympoesie. Romantic Poetry, Environmental Protest, and Co-Creativity (Vortrag in englischer Sprache)

28.04.2021 Sabine Wilke (Seattle, US): Alexander von Humboldts Naturgemälde oder die Dramatisierung von Natur

05.05.2021 Ute Berns (Hamburg): Romantic Accelerations. Samuel Taylor Coleridge, Ecology and Steam-Technology (Vortrag in englischer Sprache)

12.05.2021 Roland Borgards (Frankfurt): “Jch erwachte zu einem süsen Leben im Schoos duftiger Büsche”. Autoökographien bei Karoline von Günderrode

19.05.2021 Heather Sullivan (San Antonio, US): The Dark Green: Plants, Romanticism, and the Early Anthropocene (Vortrag in englischer Sprache)

26.05.2021 Gregor Wedekind (Mainz): In, vor und mit der Natur. Ökologien romantischer Malerei bei Caspar David Friedrich

02.06.2021 Timothy Attanucci (Mainz): Romantische Geologie

09.06.2021 Rainer Emig (Mainz): John Clare – Romantiker und Ecocritic?

16.06.2021 Bernhard Malkmus (Newcastle, GB / Frankfurt): “Vogel als Prophet” (Robert Schumann). Romantik und die Leiblichkeit der Musik

23.06.2021 Timothy Morton (Houston, US): Close Encounters (Vortrag in englischer Sprache)

30.06.2021 Barbara Thums (Mainz): Methexis. Ökologie und Teilhabe in der Frühromantik

07.07.2021 Evelyn Gius (Darmstadt): Die Natur als Agens. Versuch einer computationellen Betrachtung romantischer Texte

14.07.2021 Christof Mauch (München): Romantische Illusion und Ernüchterung. Umwelt und Geschichte der Niagarafälle


 

Übergangsritus im Wald: Besuch bei Baba Jaga

Die russische Illustratorin Olga Zakis hat einen Übergangsritus aus der slawischen Mythologie wunderbar dargestellt: die Reise von jungen Mädchen auf der Schwelle zum Erwachsenwerden in den Wald zu Baba Jaga. Die Sagenfigur Baba Jaga ist auf den ersten Blick nicht unähnlich der Hexe aus “Hänsel und Gretel”. Sie ist auch verwandt mit dem slawischen Motiv der Waldfrau. Sie taucht in verschiedensten Varianten auf: Sie “may help or hinder those that encounter or seek her out and may play a maternal role and has associations with forest wildlife” (Wikipedia). In einem Sagentypus müssen die jungen Menschen alle schwierigen Aufträge von Baba Jaga erfüllen, erleiden einen symbolischen Tod und kehren als Erwachsene zurück.


Gerettet aus dem Wald am Heiligen Abend

Lichtenegg Kaltenberg Maria Schnee Bild Legende
Gerettet aus dem Wald. In der Wallfahrtskirche Maria Schnee in Kaltenberg (Lichtenegg, Niederösterreich) hängt ein Gemälde, das im oberen Bereich zwei Männer in einem verschneiten Wald und Maria mit dem Kinde zeigt. Im unteren Bereich wird der Hintergrund dieses Bildes beschrieben:

Im Jahre 1804 war ein sehr kalter Winter mit vielem Schnee. An dem heiligen Weihnachtsabende war ich auf der Reise in einer mir ganz fremden unbekannten Gegend, und mein Weg führte mich durch einen großen Wald. Es wurde Abend, und kein Mensch kam mir unter. Ich verfehlte den Weg, und verirrte mich; denn es war weder ein menschlicher Fußtritt, noch Fußpfad im tiefen Schnee zu sehen. Damahls gab es sehr viele Wölfe, und ich sah von allen Seiten Spuren von diesen Raubthieren. Da seufzte ich: Was wird heute noch mit mir werden? – ich finde nicht aus diesem Walde hinaus. Ein zweyfacher Tod schwebte mir vor Augen; – denn bleibe ich auf dem Erdboden, so muß ich erfrieren, oder werde eine Beute der Wölfe; steige ich auf einen Baum, so muß ich ebenfalls erstarren, muß herabstürzen, und werde von den Raubthieren aufgefressen. –

Aber ich bin durch die Gnade Gottes, und auf die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau Maria, die ich stets mit wahrer Inbrunst verehrte, gerettet worden. Ich hörte in einer kleinen Entfernung Schläge wie von einem Holzhauer, und ging augenblicklich, und so schnell als meine Kräfte es vermochten, auf die Gegend zu, und sah da ein kleines Männlein bey einem Baume stehen. Diesen fragte ich: Guter Freund, wo komme ich aus diesem Walde und auf die Straße? O mein Herr, sagte der Mann, wo käme der Herr da hin. Der Wald ist sehr groß, in dieser Richtung findet der Herr nicht mehr hinaus. – Ich bath ihn zweymahl, er solle mich gegen Bezahlung hinaus führen; er ging aber nicht, sondern versicherte, ich werde schon hinaus finden. Zugleich zeigte er mir mit seinen beiden Händen, wo ich gehen soll. – Daß an einem so großen, heiligen Abend Jemand so tief in den Wald geht, um Holz zu hacken, dareüber lasse ich jeden Christen selbst nachdenken; ich aber kann die Wahrheit dieser wunderbaren Begebenheit mit einem Eide bestätigen, und verdanke meine Rettung Gott, und der Fürbitte meiner heiligen Schutzmutter der allerseligsten Jungfrau Maria.

Anton Freyschlag, Kürschnermeister in Edlitz

Ein weiteres interessantes Detail wird auf der Gemeinde-Website erwähnt: “Kaiserin Maria Theresia spendete der Kirche ein Kreuzpartikel, das heute noch verwendet wird”.


Michaelmas Journey von Mary Anne Aytoun-Ellis

“My work has always been concerned with memory and imagination. I try to find and understand what lies behind the surface of a person or a place and to discover the unknown there, whatever it may be”, so beschreibt die britische Künstlerin ihre Arbeit. Aytoun-Ellis wird von der Portland Gallery in London vertreten.

Michaelmas, das Fest des Erzengels Michael (bzw. je nach Konfession auch aller Erzengel), wird übrigens am 29. September begangen. Der Michaelistag war traditionell ein Termin für Pacht- und Zinszahlungen und für die Verdingung von Mägden und Knechten.


Wien Museum sucht Holzrestaurator_in

Das WIEN MUSEUM ist ein urbanes Universalmuseum mit einem breiten Spektrum von Sammlungen und Ausstellungen. Mit seiner generalistischen Ausrichtung und seinem interdisziplinären Potential hat das Wien Museum eine einzigartige Position in der Wiener Museumslandschaft.

Für die Abteilung Restaurierung/Objektbetreuung wollen wir zum ehestmöglichen Zeitpunkt die Position HolzrestauratorIn neu besetzen.

Aufgabengebiet

  • Konservierung und Restaurierung von Objekten aus Holz. Das Spektrum reicht von Möbeln über Holzobjekte mit Fassung, historische Wandvertäfelungen und Zierrahmen mit polychromer Fassung und Vergoldung
  • Konservatorische und restauratorische Betreuung der Möbelsammlung, der historischen Interieurs, der Sammlung von Musikinstrumenten aus Holz, von Objekten mit Materialkombination Holz und des Zierrahmenbestandes
  • Konservatorische und restauratorische Betreuung der Objekte für interne Ausstellungen und für den Leihverkehr, Anfertigung von Zustandsprotokollen
  • Erstellen von Fachexpertisen und Entwickeln von Restaurierungskonzepten für interne Restaurierungen sowie zur Anbotseinholung für Restaurierungsausschreibungen
  • Fachliche Prüfung und Abnahme externer Restaurierungsleistungen
  • Bestandserfassung, Schadensbefundung und Dokumentation aller Maßnahmen in der museumseigenen Datenbank

Profil

  • Abgeschlossenes Fachhochschul- oder Universitätsstudium im Fachbereich Konservierung und Restaurierung von Objekten aus Holz und polychromen Fassungen
  • Kenntnis und praktische Erfahrung im Bereich historische Holzverbindungen und technische Konstruktionen
  • Theoretisches und praktisches Wissen über die unterschiedlichen historischen Techniken der Vergoldung und der Fassung von Zierrahmen
  • Mehrjährige Berufserfahrung im Bereich der musealen Konservierung und Restaurierung idealerweise in einem Museum oder auch freiberuflich
  • Befähigungsnachweis zur Nutzung von Holzbearbeitungsmaschinen
  • Erfahrung in der Arbeit mit Datenbanken (Museum Plus)
  • EDV-Anwenderkenntnisse: Office (Word, Excel, Access)
  • Genauigkeit und hervorragende Arbeitsplatzorganisation
  • Einsatzbereitschaft, Kommunikations- und Teamfähigkeit

Zeit und Geld

Anstellungsverhältnis im Umfang von 37,5 Wochenstunden. Das kollektivvertragliche Mindestgehalt beträgt € 2909,64 brutto. Eine Überzahlung ist je nach Qualifikation und Berufserfahrung selbstverständlich möglich.

Bitte richten Sie Ihre aussagekräftige Bewerbung inklusive relevanter Zeugnisse bis spätestens 15. April 2019 an die Personalstelle des WIEN MUSEUMS: Personalstelle – Frau Daniela Axmann, Karlsplatz 8, 1040 Wien, personal(at)wienmuseum.at. Bewerbung bis 15. April 2019.

Hinweis aus KUPF Kulturjobs, Link zur Ausschreibung auf der Seite des Wien Museums.


Heather Jansch: Pferde aus Treibholz

Die britische Bildhauerin Heather Jansch gestaltet Skulpturen, vor allem Pferde, aus Treibholz. Ihr Material findet sie an den Küsten und Flussmündungen von Devon, manches bringen ihr Leute aus ihrer Umgebung. Auf ihrer Website erinnert sie sich an ihr Ringen um ihre künstlerische Stimme:

Then out of the blue the answer came in on the tide. Driftwood. It was like a thunderbolt,  I had never seen any driftwood sculpture before.  It had a power and authentic quality that made it something extraordinary, and it was mine alone. I knew I was finally ready to show my work to the world.

Pferde spielen in Janschs Leben eine besondere Rolle – vor ihrer Entdeckung von Treibholz als Werkstoff verdiente sie ihr Geld mit Zeichnungen und Gemälden von Pferden. Jansch fertigt sowohl überlebensgroße, lebensgroße als auch kleinere Skulpturen an. Da Holz für den Außenbereich vor allem im Winter nicht dauerhaft genug ist, fertigt sie auch Abgüsse ihrer Holzskulpturen aus Bronze an, ein sehr aufwendiges Verfahren: Die originale Skulptur wird genauestens photographiert und anschließend zerlegt. Die einzelnen Teile werden wieder photographiert und numeriert. Dann werden Gussformen angefertigt – je nach Objekt meistens um die 80 Stück, aber es waren auch schon 139. Die gegossenen Teile werden dann – das Vorbild immer im Auge – zusammengebaut. Weitere Schritte.


Holz im Kunsthistorischen Museum, Teil 2: Seychellennuss-Kanne

Schon im zweiten Beitrag der Reihe “Holz im Kunsthistorischen Museum” muss ich den Begriff “Holz” etwas ausdehnen – diese Kanne, ein Hauptwerk der Prager Goldschmiedekunst, ist nämlich nicht aus Holz, sondern aus der Frucht der Seychellenpalme gefertigt.

Die Seychellenpalme, auch Seychellennuss, kommt nur auf den Seychellen vor, und auch dort nur auf zwei der Inseln. Die Frucht der Seychellenpalme enthält die größten Samen des Pflanzenreichs: zwischen 10 und 25 Kilo wiegt ein einziger Samen. Die Frucht ist bis zu 50 Zentimeter lang, sie enthält meistens einen, selten bis zu drei Samen und braucht sieben Jahre bis zur Reife. Der Bestand ist stark gefährdet, es besteht ein sehr hohes Risiko des Aussterbens in der Natur in unmittelbarer Zukunft – dass der Verkauf der Nüsse an TouristInnen eine bedeutende Einnahmequelle ist, spielt dabei sicher eine Rolle.

Das wundersame Objekt aus ungewöhnlichem Material ist über vierhundert Jahre alt: Es wurde im Jahr 1602 in Prag angefertigt. Die Fassung dieser Kanne stammt vom Hofgoldschmied Anton Schweinberger, die Schnitzerei wird dem Hofschnitzer Nikolaus Pfaff zugeschrieben.

“Die Kanne ist ein Hauptwerk der Prager Goldschmiedekunst der Zeit Kaiser Rudolfs II. Schweinberger, der seit 1587 am Prager Hof angestellt war, ging über die konventionelle Aufgabe, eine seltene Naturalie zu fassen, weit hinaus. Die Nuss wurde damals als Schwemmgut bei den Malediven gefunden und galt als Frucht des Meeres. Das erklärt die Motive aus der Welt der Seewesen, die das Werk durchziehen” (Beschreibung in der Europeana). Der Fundort erklärt auch den botanischen Namen des Baumes, nämlich “Lodoicea maldivica”. Der französische Name ist auch schön: “Coco de mer”, Meereskokosnuss.

Angabe: Kunsthistorisches Museum Wien, Seychellennuss-Kanne. Inventarnummer “Kunstkammer, 6872”, Link zur Beschreibung in der KHM-Objektdatenbank, Link zur Beschreibung in der Europeana.

Bisher erschienene Beiträge

1: Betnuss