Museum

ZOOM Kindermuseum: Mitmachausstellung “Alles Holz” eröffnet

Die von Christian Ganzer kuratierte Mitmachausstellung “Alles Holz” ist seit 16. Februar 2021 im ZOOM Kindermuseum zu sehen.

Mädchen in Museum zeigt auf großen liegenden Baumstamm - Ausstellung Alles Holz

“In der neuen Mitmachausstellung erfahrt ihr jede Menge Wissenswertes zum Thema Holz: Wie wird aus einem Baum eigentlich Holz und wie kommt es aus dem Wald heraus? Wie sieht Holz unter dem Mikroskop aus? Welche Eigenschaften hat Holz und sind alle Holzarten gleich? Welche Berufe gibt es rund ums Holz? Was kann alles aus Holz hergestellt werden? Und warum ist Holz nicht nur für das Raumklima, sondern für das Klima auf der ganzen Welt gut? Außerdem könnt ihr in einer Werkstatt Holz bearbeiten, verschiedene Werkzeuge ausprobieren und selber etwas aus Holz herstellen”.

Als Highlight der Ausstellung nennt Museumsdirektorin Andrea Zsutty “das begehbare Baumstammkunstwerk des international renommierten Künstlers Hans Schabus. Mit 3m Durchmesser und einer Länge von 30m ist die Holzröhreninstallation das größte Kunstwerk, das bisher für das Kindermuseum geschaffen wurde!”

Bild: ZOOM Kindermuseum/Gianmaria Gava


Waldhütte in der Zündholzschachtel

Hinter dem “Korridor des Staunens” im Weltmuseum Wien verbirgt sich ein Schaudepot, in dem verschiedenste verwandte Objekte ohne nähere Erläuterung gezeigt werden. Besonders interessant habe ich diese Miniaturen in Streichholzschachteln gefunden – eine großartige Möglichkeit, Objekte, die zu groß fürs Museum sind, zu dokumentieren.

Der Anspruch ethnografischer Museen lag darin, die Gesamtheit der materiellen Kultur einer Gesellschaft abzubilden. Manche Objekte konnten auf Grund ihrer Größe nur in einem begrenzten Ausmaß gesammelt werden. So begann man bereits im 19. Jahrhundert stattdessen Modelle anfertigen zu lassen um damit diese Sammlungslücken schließen zu können.

Hier ein Bild einer miniaturisierten Waldhütte auf Sumatra.


Holz im Kunsthistorischen Museum, Teil 2: Seychellennuss-Kanne

Schon im zweiten Beitrag der Reihe “Holz im Kunsthistorischen Museum” muss ich den Begriff “Holz” etwas ausdehnen – diese Kanne, ein Hauptwerk der Prager Goldschmiedekunst, ist nämlich nicht aus Holz, sondern aus der Frucht der Seychellenpalme gefertigt.

Die Seychellenpalme, auch Seychellennuss, kommt nur auf den Seychellen vor, und auch dort nur auf zwei der Inseln. Die Frucht der Seychellenpalme enthält die größten Samen des Pflanzenreichs: zwischen 10 und 25 Kilo wiegt ein einziger Samen. Die Frucht ist bis zu 50 Zentimeter lang, sie enthält meistens einen, selten bis zu drei Samen und braucht sieben Jahre bis zur Reife. Der Bestand ist stark gefährdet, es besteht ein sehr hohes Risiko des Aussterbens in der Natur in unmittelbarer Zukunft – dass der Verkauf der Nüsse an TouristInnen eine bedeutende Einnahmequelle ist, spielt dabei sicher eine Rolle.

Das wundersame Objekt aus ungewöhnlichem Material ist über vierhundert Jahre alt: Es wurde im Jahr 1602 in Prag angefertigt. Die Fassung dieser Kanne stammt vom Hofgoldschmied Anton Schweinberger, die Schnitzerei wird dem Hofschnitzer Nikolaus Pfaff zugeschrieben.

“Die Kanne ist ein Hauptwerk der Prager Goldschmiedekunst der Zeit Kaiser Rudolfs II. Schweinberger, der seit 1587 am Prager Hof angestellt war, ging über die konventionelle Aufgabe, eine seltene Naturalie zu fassen, weit hinaus. Die Nuss wurde damals als Schwemmgut bei den Malediven gefunden und galt als Frucht des Meeres. Das erklärt die Motive aus der Welt der Seewesen, die das Werk durchziehen” (Beschreibung in der Europeana). Der Fundort erklärt auch den botanischen Namen des Baumes, nämlich “Lodoicea maldivica”. Der französische Name ist auch schön: “Coco de mer”, Meereskokosnuss.

Angabe: Kunsthistorisches Museum Wien, Seychellennuss-Kanne. Inventarnummer “Kunstkammer, 6872”, Link zur Beschreibung in der KHM-Objektdatenbank, Link zur Beschreibung in der Europeana.

Bisher erschienene Beiträge

1: Betnuss


Holz im Kunsthistorischen Museum, Teil 1: Betnuss

Ich war in den letzten Wochen zweimal im Kunsthistorischen Museum in Wien – in der Kunstkammer, in der Sonderausstellung “Spitzmaus mummy in a coffin and other treasures“, in der Ägyptisch-Orientalischen Sammlung und der Antikensammlung. Dabei habe ich viele wunderbare Objekte aus Holz oder Baumfrüchten gesehen. Diese haben alle einen eigenen Eintrag verdient. Daher möchte ich heute die Reihe “Holz im Kunsthistorischen Museum” starten.

Photo einer BetnussDen Anfang macht diese unglaublich detailreiche “Betnuss” aus der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums. Sie wurde Anfang des 16. Jahrhunderts in den Niederlanden gefertigt und zeigt den Leidensweg Christi. Das Material ist Buchsbaumholz. Der Erhaltungszustand auch der kleinsten Teile ist wirklich faszinierend. Um sich den Detailreichtum vor Augen zuführen: Der Durchmesser beträgt knapp über sechs Zentimeter.

Was ist eine Betnuss eigentlich? Eine Betnuss wird im Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte als “eine in zwei Hälften aufklappbare, kleine, meist nicht über 6 cm Durchmesser hinausgehende nuß- oder schotenförmige Kapsel aus Buchsholz, später auch aus Elfenbein, Metall und anderen Stoffen” beschrieben. Sie sei “in jeder Hinsicht ein nur dem Begüterten zugängliches Pretiosum”. Sie wird so beschrieben: “Ihre Oberfläche ist in der Frühzeit meist von Maßwerkornamenten durchbrochen oder zu zum Teil medaillonartigen Teilflächen abgeplattet. Im Innern jeder Hälfte ist eine mehr oder weniger figurenreiche, minutiöse Reliefschnitzerei eingelassen. Dargestellt sind Heiligenfiguren und Szenen aus dem Leben und der Passion Christi, zum Teil mit alttestamentarischen Gegenüberstellungen und meist mit entsprechenden Umschriften”. Der deutsche Begriff dürfte aber erst aus dem 19. Jahrhundert stammen.

Angabe: Kunsthistorisches Museum Wien, Rosenkranz-Anhänger mit Leidensweg Christi, sog. Betnuss. Inventarnummer “Kunstkammer, 4206”, Beschreibung in der KHM-Objektdatenbank.


Forstgeschichtliche Tagung “European forests – our cultural heritage” in Kärnten

Die internationale forstgeschichtliche Tagung “European forests – our cultural heritage” findet von 4. bis 7. Dezember 2018 in St. Georgen am Längsee (Kärnten) statt. Ziel der Tagung:

The aim of the European Cultural Heritage Year 2018 is to share our common cultural heritage and its potential for identification, participation on and development of European cultural, social, economic and other values. The cultural heritage of the forests and in the forests tackles the multiple interrelationships between forests, forest management and the human society, which have changed in the course of history. It is not only confined to demonstrating historical developments, but contributes also considerably to a better understanding of the present situation of forests and the development of the cultural landscape, and provides valuable input for forest conservation and management policies.

The EU-Action Plan 2006 acknowledged cultural landscapes, traditional practise and other cultural values of forests as some of the ways of achieving local and regional sustainable development. Landscape values are also included in the new Common Agricultural Policy (CAP) and the European Landscape Convention. Cultural landscapes are considered to be a development factor. These potentials have only partly been investigated till now.

However, there is an increasing demand by forest owners related to new markets and additional income beside forestry and an increasing interest of tourisms in the utilization of forest areas and beautiful sceneries. At present numerous initiatives, collections and museums exist; however, they are often not adequately linked. Thus, a new approach for co-operation of forest and woodland history including traditional knowledge and forest and tourist enterprises is aimed and an increasing need to deepen the knowledge related to the forest related cultural heritage should be fulfilled.

Von Lettland bis Spanien

Einige Beiträge, die ich besonders interessant finde (eigentlich könnte ich jeden einzelnen anführen):

  • Mārtiņš Lūkins: Ancient forest mapping and recognition: case study from Latvia
  • Tanya Bakhmetyeva: Seeing the Nation for the Trees: The Cultural Heritage of Białowieża Forest and the Debate on Polish National Identity
  • Triin Kusmin: Presenting and Interpreting Cultural Heritage in the Visitor Management of Estonian State Forest
  • Péter Szabó: Non-timber Forest Uses in Preindustrial Central Europe
  • Elisabeth Johann: The forgotten heritage: Sustainable Forest Management and the Safeguarding of the Forestry-related Tangible and Intangible Cultural Heritage in Austria
  • D. Rus: The relation with the forest in Transylvania reflected in local fairytales and legends
  • Jiří Woitsch: The inventory of memorable trees in the Czech Republic: A potential tool for identification and safeguarding of traditional knowledge and heritage related to trees and forest management
  • Catharina de Pater: Articulation of Spiritual Values in Forest Management Plans
  • Marianne Schreck: Forest in Austria (1930-19947) – from the crisis until the reestablishment of the Federal Department of forest. Visual correspondences between the regimes, forestry institutions and cultural phenomenons
  • Nina Luostarinen: Put yourself in the picture – Art interpretations as a Tool for Deeper Connection to the Forest

Das vollständige Programm und Informationen zur Anmeldung finden Sie auf der Website des Fachausschusses Forstgeschichte im Österreichischen Forstverein.


 

Traditionelles Holzhandwerk in neuen filmischen Vermittlungsformen

Presseaussendung der FH St. Pölten: “Kulturelles Erbe neu aufbereitet. Projekt der FH St. Pölten vereint traditionelles Holzhandwerk mit neuen filmischen Vermittlungsformen

Das Holzhandwerk gilt als eines der ältesten Handwerke und wurde über lange Zeit größtenteils mündlich weitergegeben. Im Projekt “Holzhandwerk Revisited” entwickelten Holz- und BewegtbildforscherInnen der FH St. Pölten und der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern und dem Österreichischen Freilichtmuseum Stübing neue Dokumentations-Formate, um ausgewählte Holzhandwerkstechniken mittels Bewegtbild für nachfolgende Generationen zu erhalten.

“Es existieren zwar historische Filmaufnahmen und Dokumentationen, diese werden allerdings oftmals den wissenschaftlichen Ansprüchen einer umfassenden Dokumentation des Handwerks nicht gerecht”, erklärt Rosa von Suess, FH-Dozentin und Leiterin des Projekts an der FH St. Pölten. “Ziel unseres Projekts ist es, traditionelles Holzhandwerk mit neuen, innovativen Vermittlungs- und Darstellungsformen zu vereinen und so dieses alte Wissen auch für nachfolgende Generationen nutzbar zu machen”, so Michael Grabner, Projektleiter vom Institut für Holztechnologie und nachwachsende Rohstoffe der Universität für Bodenkultur Wien.

Altes Handwerk, neue filmische Formate

Die ForscherInnen der FH St. Pölten und der BOKU Wien arbeiteten dabei mit Schülerinnen und Schülern der Waldorfschule Wien West zusammen. In einem partizipatorischen Ansatz wurden Handwerkstechniken definiert, die dokumentiert werden sollten, Film- und Medienarchive durchsucht und gefundenes Material analysiert. In einem Kameraworkshop erprobte das Team Aufnahmetechniken auf ihre Anwendbarkeit und entwickelte schließlich in Workshops gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern Konzepte für das Dokumentar-Format. Ein Format wurde auf Basis von 360-Grad-Video entwickelt, ein weiteres baut auf die Dramaturgie von State-of-the-art Educational Content und Tutorials auf.

Von der Herstellung eines Holznagels bis zum Behauen von Rundholz

In Testdrehs wurden die beiden entwickelten Formate auf die ersten vier Holzhandwerksprozesse angewandt: die Herstellung eines Holznagels und eines Birkenreisigbesens mittels Mehrkamera-Produktion, sowie die Herstellung von Zaunringen und das Behauen von Rundholz, die mit 360-Grad-Kamera umgesetzt wurden, um die räumliche Dimension des Handwerks einzubeziehen. Die so entstandenen “Edutorials” vereinen die instruktiven Elemente von Online-Tutorials mit den Eigenschaften von Lernvideos: strukturiert, einfach zu verstehen und zusammenfassend.

Das Projekt wird im Rahmen des Forschungsförderungsprogrammes Sparkling Science unterstützt.


 

Forchtenstein: Tagung zur Jagdkultur im September 2018

Jagdkultur und Wald ist das Thema der fünften österreichischen Forst+Kultur-Tagung. Das dichte Vortragsprogramm in den historischen Räumen der Burg Forchtenstein spannt den Bogen von der Frage, was unter “Jagdkultur” alles verstanden werden kann, über die fundierte Darstellung der Gesamtentwicklung und Jagdhistorie des gastgebenden Betriebes. Darüber hinaus wird die Arbeit von Jagdmuseen als zentrale Orte der Wissensvermittlung bis hin zu einem Blick auf die historische und lebendige Jagdkultur anderer Kontinente und dem Thema Jagd aus gesellschaftlichsoziologischer Sicht geworfen.

Die Einbettung der jagdkulturellen Praxis in übergeordnete historische Wendepunkte und Ereignisse (1848, 1918 etc.) sowie die zahlreichen Bezüge zur Waldbewirtschaftung sollen besonders zum besseren Verständnis beitragen. Ausgewählte Beispiele aus dem Umfeld österreichischer Forstbetriebe beleuchten die jagdkulturelle Praxis in historischer Zeit und heute – bis hin zu Fragen betrieblicher und regionaler Wertschöpfung.

Jagdkultur und Wald - Einladung Forst&Kultur-Tagung Forchtenstein
Programm 21. September 2018
  • Moderation: Leopold Ziehaus (BMNT)
  • ab 09:00 Uhr Anmeldung und Einlass
  • 09:30 – 10:00 Uhr Grußworte / Eröffnung: Matthias Grün (Esterhazy Betriebe GmbH); Bgm.in Friederike Reismüller (Gemeinde Forchtenstein); Alfred Grieshofer (BMNT)
  • 10:00 – 10:15 Uhr Forst + Kultur im Überblick / Tagungsziele: Alfred Grieshofer (BMNT)
  • 10:15 – 10:30 Uhr Was ist Jagdkultur? Ein Überblick / Thematische Abgrenzung der Tagungsinhalte: Leopold Ziehaus (BMNT)
  • 10:30 – 11:10 Uhr Kurzabriss der Jagdgeschichte Österreichs: Florian Bayer (Esterhazy Betriebe GmbH / Sammlungen)
  • 11:10 – 11:35 Uhr Kaffeepause
  • 11:35 – 12:05 Uhr Jagdmuseen – Professionelle Wissensvermittlung zur Jagdkultur: Karlheinz Wirnsberger (Leiter Jagdmuseum Stainz / Landesmuseum Joanneum)
  • 12:05 – 12:45 Uhr Jagdkultur weltweit. Blick auf andere Länder und Kontinente und Kulturen: Heiko Hornung (Chefredakteur Wild + Hund)
  • 12:45 – 14:15 Uhr Mittagspause
  • 14:15 – 14:45 Uhr Höfische Jagdkultur bei Esterhazy. Historischer Überblick, Ereignisse, Beispiele jagdhistorischer Bauten: Margit Kopp (Esterhazy Betriebe GmbH)
  • 14:45 – 15:15 Uhr Gelebte Jagdkultur heute. Kulturelle Elemente der Jagdbewirtschaftung in Österreich: Klaus Schachenhofer (Dachmarke Jagd Österreich)
  • 15:15 – 15:45 Uhr Historisch-kulturelle Besonderheiten im Bereich bäuerliche Eigenjagden und Jagdgesellschaften: Johannes Dieberger (Forum Lebendige Jagdkultur e.V.)
  • 15:45 -16:10 Uhr Kaffeepause
  • 16:10 – 16:50 Uhr Gelebte Jagdkultur auf den Spuren von Erzherzog Johann. Die alte Tradition der Auerwildbejagung und Hege in der Meran’schen Forstverwaltung Stainz: Helmut Fladenhofer (Meran’sche Forstverwaltung Stainz)
  • 16:50 – 17:20 Uhr “Xeis Edelwild“. Hochqualitatives Wildbret als Marke einer Region und Einkommensergänzung: Andreas Holzinger (Steiermärkische Landesforste)
  • 17:20 – 18:00 Uhr Die Rolle der Jagd in der heutigen – und künftigen – Gesellschaft. Wo steht die Jagd im 21. Jahrhundert in Österreich / Mitteleuropa?: Fritz Wolf (Stift Melk)
  • 18:00 – 18:30 Uhr Abendpause
  • 18:30 – 20:30 Uhr Abendprogramm: Einführung Leopold Ziehaus (BMNT); Jagdmusik mit der Esterhazy Jagdhornbläsergruppe unter der Leitung von Gottfried Putz (ZMS Oberpullendorf / Carl Goldmark Musikschule Deutschkreutz); Nachstellung eines Gemeinschaftsjagdtages mit Jägerschlag und Streckenlegung: Roman Leitner (Landesjägermeister Burgenland)
  • ab 20:30 Uhr Sektempfang – Hubertusrunde Wiener Neustadt
  • Abendessen und gemütliches Beisammensein
Programm 22. September 2018
  • 09:00 – 11:00 Uhr Jagdliche Wissensvermittlung. Führung durch die Halali-Jagdausstellung: Margit Kopp, Florian Bayer, Herbert Zechmeister (Esterhazy Betriebe GmbH); Schauvortrag über die Entwicklung der Waffentechnik: Andreas Sulz (Heeresgeschichtliches Museum Wien)
  • 11:00 – 12:30 Uhr Gelebte Jagdkultur im Revier. Jagdbetriebsbewirtschaftung am Praxisbeispiel Oberer Wald: Peter Fischer (Esterhazy Betriebe GmbH)
  • Schlussworte
  • ab 13:00 Uhr gemeinsames Mittagessen im Restaurant Grenadier
  • Jahreshauptversammlung des Vereines FoKuS im Anschluss an das Mittagessen
Anmeldung und Tagungsgebühr
  • Esterhazy Betriebe GmbH, Esterhazyplatz 5, A-7000 Eisenstadt, forstkultur@esterhazy.at, +43 2682 / 63004-231
  • Tagungspauschale Variante 1: Seminarpauschale inkl. Mittag- und Abendessen ohne Übernachtung € 49,00 p.P., Anmeldung ohne Übernachtung bis spätestens 14. September 2018
  • Tagungspauschale Variante 2: Seminarpauschale inkl. Übernachtung im Einzelzimmer sowie Mittag- und Abendessen € 99,00 p.P., Anmeldung inkl. Übernachtung bis spätestens 31. August 2018

Naturhistorisches Museum: Baobab. Der Zauberbaum

Farbphotographie. Pascal Maître: Baobab. Pressebild zur Ausstellung im Naturhistorischen Museum WienBaobab, der Affenbrotbaum, steht im Zentrum einer Sonderausstellung im Naturhistorischen Museum Wien, die von 7. März bis 3. Juni 2018 zu sehen ist. Der französische Photograph Pascal Maître, dessen faszinierende Bilder hier gezeigt werden, unternahm 27 Reisen nach Madagaskar in die Welt der Baobabs. Um diese Bäume ranken sich viele Geschichten und Mythen.

Blühen in der Nacht

Um die Blüten des Baumes zu erleben, die sich nur nachts öffnen, verbrachte der Künstler eine Nacht in der Krone eines über 25 Meter hohen Baumes: “In jener Nacht schlief ich hoch oben in diesem Baum, zwischen Himmel und Erde”, erzählte der Photograph. “Als ich aufwachte, fand ich mich unter Tausenden von Sternen und sich öffnenden Blüten wieder. Ein unvergessliches Erlebnis”.

Das Zentrum der Sonderausstellung bildet eine begehbare Baobab-Konstruktion mit einem Durchmesser von ca. vier Metern. Hier können Besucherinnen und Besucher die gewaltigen Dimensionen des bis zu dreißig Meter hohen Affenbrotbaums erfassen.

Bildband mit 50 Photos

Zur Ausstellung erscheint ein Bildband in der Edition Lammerhuber: “Baobab. Der Zauberbaum” zeigt auf 112 Seiten fünfzig der eindrucksvollsten Baobab-Fotos von Pascal Maitre.

Photo: Pascal Maître / via Naturhistorisches Museum.


Bibliotheken ohne Bücher: Xylotheken

“Bibliotheken ohne Bücher” war der Titel meiner Kolumne, die ich im Jahr 2015 für die österreichische Bibliothekszeitschrift “Büchereiperspektiven” schrieb. Einer der Texte befasste sich mit Xylotheken und passt daher sehr gut in dieses Blog.

Reinhard Stiksel: Ein Stück aus der “Xylothek” – Aus der Sammlung der Sternwarte im Stift Kremsmünster, Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0.

Dass Bibliotheken und Bücher mit Bäumen zu tun haben, ist bekannt – nicht nur wegen des Wortes „Buch(en)stabe“, sondern auch weil Papier ja aus Holzschliff beziehungsweise Zellstoff hergestellt wird. Es gibt aber Bücher, die einfach holziger sind als andere – diese sollen hier vorgestellt werden.

Es gibt wohl kaum Bibliotheken, bei denen die äußere Form so sehr mit dem Inhalt korrespondiert wie bei den “Xylotheken”.

Die Bände dieser Holzbibliotheken bestehen nämlich aus jenen Materialien, mit denen sie sich beschäftigen: Jeder Holzkasten ist aus einer anderen Baumart gefertigt. Vorder- und Rückdeckel der Kästen sind aus Holz, der Buchrücken wird mit Rinde, Moos, Schwämmen oder Flechten verziert. Im Inneren verbergen sich übersichtlich arrangierte Zweige desselben Baumes mit Blättern oder Nadeln, Blüten und Früchten, teilweise auch mit Holzwürfeln und Sägespänen. In kleinen Döschen können Blütenstaub, Samen oder Holzasche aufbewahrt werden. Manchmal wurden sogar die für den jeweiligen Baum typischen Forstschädlinge beigegeben – als Beispiel seien die so passend benannten Käferarten “Buchdrucker” und “Kupferstecher” genannt, die Fichten bevorzugen. Abgerundet wird der Inhalt der “Buchattrappen” durch die lateinische und deutschsprachige Bezeichnung der dargestellten Pflanze und eine Kurzbeschreibung. Diese Holzbücher richten sich vor allem an Menschen, die in der Forstwirtschaft und der Holzverarbeitung tätig sind, und zeigen ihnen anschaulich die wichtigsten Eigenschaften und Nutzungsmöglichkeiten von Baum und Holz. Gleichzeitig ist jeder Band in einer Xylothek ein kleines Kunstwerk, dessen sorgfältige und detailreiche Verarbeitung auch Nicht-Forstleute beeindruckt.

Xylotheken sind ein Phänomen der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert. Da die Herstellung aufwendig und der Preis hoch war, wurden die meisten Exemplare von großen Forstbetrieben und forstlichen Ausbildungsstätten erworben. Umfangreiche Beispiele sind unter anderem im Biologiezentrum des Oberösterreichischen Landesmuseums, in der Botanik-Abteilung des steirischen Landesmuseums Joanneum, in der Sternwarte im Stift Kremsmünster, im Naturhistorischen Museum des Stifts Admont und im Museum für das forstliche Versuchswesen in Wien-Mariabrunn erhalten.

Links

Verzeichnis von Holzbibliotheken: www.specula.at/adv/monat_9712.htm
Aufbau eines Holzbuches: www.naturkundemuseum-kassel.de/museum/wissenswert/holzbuch/index.php
Hohenheimer Xylothek digital: www.uni-hohenheim.de/uniarch/Xylothek%20_%20Seite/Xylothek_index.html


Datenbank: Rechtsaltertümer online

Wer den kermist auf die gemain wirft, der ist dem richter verfallen 12 dn (Rechte der Dorfmenge zu Erlach, 1480).

Beim Googeln des Begriffs “Haarzehent” bin ich auf eine interessante Datenbank gestoßen: RechtsAlterTümer online (RAT). Das Projekt wird von Elisabeth Vavra, Direktorin des Instituts für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit, und von Ute Streitt vom Oberösterreichischen Landesmuseum geleitet. Alle Interessierten sind eingeladen, etwas beizutragen. Die URL ist rat.imareal.sbg.ac.at.

RAT erfasst in Original erhaltene Rechtsaltertümer aus Österreich ebenso wie solche, von deren Existenz Schrift- oder Bildquellen berichten. Unsere Definition von Rechtsaltertümern umfasst Objekte, Gebäude, Rechtsorte und Schriftquellen aus dem Bereich des Straf- und Hoheitsrechts. Der Zeitrahmen erstreckt sich vom Mittelalter bis zur Reform von 1848. Die Datenbank ist ein “work in progress”. Es werden laufend neue Datensätze eingegeben und bestehende ergänzt und korrigiert (Beschreibung auf der Website).

Erfreulich ist, dass die Datenbankinhalte frei zugänglich sind und dass man problemlos direkt auf die einzelnen Datensätze verlinken kann. Man kann nach Titel, Objekttyp (Flurname, Gebäude, Schriftquelle, Bildquelle, mündlicher Bericht, Objekt, Ereignis), Ort, Beschreibung, Person, Herrschaft, Landgericht, Zeit (von-bis), Bundesland und Kategorie (Rechtsorte, Strafrechtsaltertümer, Hoheitsrechtsaltertümer, Rechtsquellen, Delikte, Strafen, diverses) suchen. Aus unserer Gegend sind bereits unter anderem folgende Texte enthalten:

Windwurf durch Hexerei

Roman Lechner hat mich auf eine interessante Geschichte aufmerksam gemacht: Afra Schick aus der Schlatten (Bromberg) wurde 1671 vom Wiener Neustädter Stadtrichter zum Tode verurteilt und auf dem Scheiterhaufen hingerichtet, da man sie der Hexerei verdächtigte. Unter anderem warf man ihr vor, einen großen Windwurf in Stickelberg verursacht zu haben:

Ingleichen hat sie unterschiedlich große Sturmwind und unter anderem auch vor ungefähr 12 oder 13 Jahren den großen Sturmwind in den Sticklberger Wald helfen machen, darauf gleichfalls der ganze Wald verderbt und die Bäume umgerißen worden sind.

Quelle: Verhörprotokolle von Afra Schick aus dem Stadtarchiv Wiener Neustadt, zitiert nach Karl Flanner: “Wiener Neustadt 1671: Das qualvolle Sterben der Hexe Afra Schick. Eine wahre Begebenheit”. In: Dokumentation des Industrieviertel-Museums Wiener Neustadt 43 (1994), online nachzulesen auf http://www.religionen.at/irschick.htm.

In Bromberg erinnert seit 1999 der “Hexenweg“, ein drei Kilometer langer Lehrpfad mit dem Untertitel “Afra Schickh – ein Frauenschicksal im 17. Jahrhundert”, an die kräuter- und heilkundige Frau.


Malerischer Blick auf die Alpen

gastein

Thomas Ender: “View of the Residence of Archduke Johann in Gastein Hot Springs”, um 1830. Quelle: Getty Center, zur Verfügung gestellt im Rahmen der Open Content-Initiative des Museums. Gastein liegt natürlich nicht in der Buckligen Welt, aber das Bild hat mich gleich angesprochen. Das Getty Center schreibt dazu:

Painter to Archduke Johann (1782 – 1859), Thomas Ender was commissioned to execute watercolors of the spectacular topography of the Austrian Alps. In this view of a mountain resort near Salzburg, the artist demonstrated a command of spatial expanse combined with effects of meticulous diminution. He delicately rendered the sublime geological elements of the Alpine landscape.

Um doch einen geographischen Bezug herzustellen, sei daran erinnert, dass Erzherzog Johann von 1807 bis 1828 Besitzer von Schloss und Burg Thernberg war. Laut Wikipedia “führte er [hier] erste landwirtschaftliche Versuche durch, legte Versuchsgärten für den Obstbau an, und begann mit seinen umfangreichen Sammlungen, die später den Grundstock des Grazer Joanneums bildeten. Er suchte als ‘Hanns von Österreich, der Thernberger’, die Geselligkeit in der ‘Wildensteiner Ritterschaft auf blauer Erde’ auf der Burg Seebenstein”. Mit dem Mitbegründer dieser Ritterschaft, Anton David Steiger, sind wir übrigens angeblich verwandt, über meine Großmutter mütterlicherseits.

Die Erzherzog-Johann-Dokumentation in Thernberg öffnet am 17. Mai wieder ihre Pforten, und es gibt einen Erzherzog Johann-Rundwanderweg.