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Kategorie: Wald & Mensch

Schönheit des Waldes, Schutzfunktion, religiöse und mystische Wahrnehmung des Waldes

Waldprodukte am globalen Kosmetikmarkt: ein Potential?

Nola Andaya ist Mitarbeiterin des Non-timber forest products Exchange programme (NTFP-EP), in dem über sechzig Nicht-Regierungs-Organisationen mit forest-based communities auf den Philippinen, in Indien, Indonesien, Malaysia, Vietnam und Kambodscha zusammenarbeiten. Ziel ist, deren Kompetenzen zur nachhaltigen Bewirtschaftung zu stärken. Sie sieht großes wirtschaftliches Potential in Nichtholzprodukten für den wachsenden Kosmetikmarkt.

Das Zitat stammt aus einer Veranstaltung im Rahmen der 6. World Forest Week der FAO in Rom. Bei dieser internationalen Veranstaltung wird der Beitrag der Forstwirtschaft zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung der UNO diskutiert.

Zum Weiterlesen

 
Sofia von Schledorn: Wie Katharina den Wald verlor

Wald bedeutet für viele Menschen Erholung, Durchatmen, Ruhe, Entspannung. Aber nicht für alle. Sofia von Schledorn hat für die Plattform „Grüner Journalismus“ mit einer jungen Frau gesprochen, die den Bezug zum Wald verloren hat: „Katharina braucht das Weite. Sie will eine Aussicht, die sie genießen kann, sie will sich nicht durch Bäume abgeschirmt fühlen, sondern den Himmel sehen“. Weiterlesen.


 
Alt im Wald: der Wald in der Gerontologie

Heute habe ich einen sehr anregenden Kurs der Forstlichen Ausbildungsstätte Pichl besucht: „Wald als Prävention und Therapeutikum in der Gerontologie“. Meine Ausbildung zur Waldpädagogin ist zwar noch sehr am Anfang, dieses eigentlich als Fortbildung für aktive Waldpädagog_innen gedachte Seminar wollte ich mir aber dennoch nicht entgehen lassen. Vielleicht kann ich das Wissen ja auch für forstkulturelle Ausgänge anwenden.

Die Vortragende Doris Bach ist promovierte Psychologin und Leiterin von braincare Institut für seelische Gesundheit. Sie hat ein vielfältiges Arbeitsgebiet. Unter anderem arbeitet sie seit 29 Jahren mit geriatrischen Patient_innen und konnte daher sehr praxisnah und lebendig lehren. Bach hat unter Beteiligung von Waldpädagog_innen eine wissenschaftliche Studie mit Patient_innen eines Wiener Seniorenresidenz durchgeführt. Das Thema ist in unseren Breiten noch kaum erforscht.

Wald und Demenz

Der Schwerpunkt lag auf dem Umgang mit leicht und mittelschwer dementen Personen. Im Bericht zum 6. Waldpädagogik-Kongress, wo sie ebenfalls zu diesem Thema vortrug, schrieb Doris Bach:

Demenzerkrankte leiden oft unter sozialer Isolation, dem permanenten Aufenthalt in der reizarmen Umgebung eines Zimmers, Hospitalisierungsschäden, Bewegungsmangel, Verlust sozialer Kompetenzen und gelernter Hilflosigkeit. Vertraute Elemente, wie etwa der Wald, die eine emotionale Verankerung bieten können, geben Sicherheit.

Wir haben aber auch die Bedürfnisse von Menschen mit anderen Erkrankungen wie Morbus Parkinson angesprochen. Thema war auch der Umgang mit den regulären Alterseinschränkungen wie schlechtem Hören, Gehbehinderungen, Sehschwächen etc. Wir haben viele praktische Tipps für Waldausgänge bekommen – was man bei der Auswahl des Ortes beachten muss, welche typischen waldpädagogischen Elemente wie eingesetzt werden können, was man immer einpacken soll etc.

Ich kann allen Interessierten empfehlen, eine Neuauflage dieses neuen Kurses zu besuchen! Ich selber habe einige Ideen für meine Region mitgenommen und den Hashtag #altimwald kreiert 🙂


 
Plakat mit 35 Photographien von Baumrinden

Phil Barnett bietet ein wunderschönes A2-Poster mit 35 Photographien verschiedener Baumrinden zum kostenlosen Download an. Nicht nur dekorativ, sondern vielleicht auch hilfreich beim Lernen für die forstfachliche Prüfung 🙂

Haut und Rinde

Interessant ist, wie er in seinem lesenswerten Blog-Beitrag „Absolutely Barking!“ die Ähnlichkeit von menschlicher Haut und „bäumischer“ Rinde beschreibt:

Bark is like almost everything in nature – the more you look the more you see. If you walk through a wood you will, of course, be aware of the trees, but only have a vague sense of the variety of bark. Once you stop to look you’ll see that every tree species has its own kind of bark, and even amongst trees of the same species – no two are alike. […]
Tree bark and human skin, have a lot in common. They are both outer layers with a role in protecting the tissues beneath, and both are unique to the individual. Each fingerprint is famously unlike any other and no two trees have exactly identical bark.

Außerdem listet er eine Vielzahl von Faktoren auf, die die Rindenbildung einer Spezies bzw. eines bestimmten Baums beeinflussen, vom Klima über den Specht bis zu möglichen Verletzungen.


 
Der neue Trend: Wald als Wandfarbe

Neuer Trend für Wandfarbe:

„Die ‚Hauptfarbe‘ Waldgrün ist eingebettet in eine Skala von gedeckt bis gesättigt. Gefragt ist also nicht mehr das bisherige frühlingshaft-fröhliche Grün, wie das lange Zeit so beliebte Maigrün. Das tiefe Waldgrün ist eher ernst, tiefgründig, vermittelt Stabilität und Beständigkeit – also genau jene Werte, die der aktuelle Trend hin zur Heimat im Sinne von Sicherheit und Überschaubarkeit repräsentiert“.

Quelle: „Der Wald kommt ins Haus. Die Trendfarbe für 2018 ist Waldgrün“. In: Salzburger Nachrichten, Immobilien, 30. Dezember 2017, S. 24 (bezieht sich auf eine Meldung des Farbenherstellers Caparol).


 
Kalkalpen: Leben im Forsthaus mitten im Wald

Die Oberösterreichischen Nachrichten haben eine wunderbare Bildreportage über das Leben in einem Forsthaus veröffentlicht. Der Nationalpark-Ranger Michael Kirchweger und seine Frau Erni Kirchweger wohnen im Bodinggraben im Nationalpark Kalkalpen.

Im Spätherbst gibt der Wald einen tiefen Einblick in seine Anatomie frei. Alle Blätter sind bereits abgefallen. „Als würden Golddukaten vom Himmel fallen“, beschreibt Erni das Schauspiel, wenn der Wind die bunten Blätter von den Bäumen abtransportiert und diese im Sonnenlicht zu Boden segeln. Dann ragen die nackten Bäume ihre von einer Eispatina überzogenen Äste wie ein auf den Kopf gestellter Kronleuchter in die Höhe.

Manfred Wolf (Text) / Volker Weihbold (Photos): „Hüter der Stille. Der Winter hat Einzug gehalten im Nationalpark Kalkalpen – und mit ihm eine unsagbare Ruhe. Diese Zeit hat für Nationalpark-Ranger Michael und seine Frau Erni Kirchweger einen ganz besonderen Zauber. Manfred Wolf hat sie besucht„. In: Oberösterreichische Nachrichten, 2. Dezember 2017 (Hinweis von den Österreichischen Bundesforsten auf Facebook)


 
Wiener Straßennamen mit Wald-/Baumbezug

Jedes Jahr sind zahlreiche Straßen neu zu benennen. Die Wahl fällt dabei oft auf Pflanzen – auf Blumen ebenso wie auf Sträucher und Bäume. Im WienGeschichteWiki, das von der Wienbibliothek und dem Wiener Stadt- und Landesarchiv betreut wird, sind unter anderem folgende Straßennamen mit Wald- und Baumbezug zu finden:

  • Akaziengasse – „nach dem gleichnamigen Baum“
  • Alleegasse
  • Am Auwald – „benannt (10. Mai 2016 Gemeinderatsausschuss für Kultur, Wissenschaft und Sport) nach dem Flurnamen“
  • Baumgasse – „benannt (1899) nach den in dieser Gegend gepflanzten Obstbäumen, jedoch als Straßenzug seit dem 17. Jahrhundert nachweisbar“
  • Baumschulweg – „nichtamtliche Bezeichnung“
  • Birkenstraße
  • Bonsaigasse – „benannt (1. März 2005 Gemeinderatsausschuss für Kultur und Wissenschaft) nach einen Baum, der durch unterschiedliche gärtnerische Maßnahmen einen kleinen Wuchs beibehält“
  • Buchengasse – „benannt (17. Mai 1872 Gemeinderat) nach den Buchenwäldern, die den Laaer Berg bedeckten; anderen Aussagen (Autengruber) zufolge soll diese Baumart (Fagus Sylvatica) auf dem Laaer Berg nicht heimisch sein“
  • Eibengasse – „benannt (17. Juni 1953 Gemeinderatsausschuss für Kultur) nach dem gleichnamigen Nadelholzbaum (Taxus baccata)“
  • Eichenstraße – „benannt (5. Juli 1894) nach zwei Eichen, die bei der Einmündung der Wilhelmstraße standen“
  • Erlenweg – „benannt (2. November 1966 Gemeinderatsausschuss für Kultur) nach dem gleichnamigen Baum Erle (Alnus)“
  • Eschenallee – „benannt (10. April 1929 Gemeinderatsausschuss für Kultur) nach einer in der städtischen Wohnhausanlage George-Washington-Hof angepflanzten Esche (Fraxinus)“
  • Föhrengasse – „benannt (2. Juni 1965 Gemeinderatsausschuss für Kultur) nach dem gleichnamigen Nadelbaum“
  • Forsthausplatz – „benannt (1920, vorher nichtamtlich) nach dem Brigittenauer Forsthaus“
  • Forstmeisterallee – „trug ihren Namen nach dem an ihr gelegenen Forsthaus im Prater“
  • Fuchsenzeile – „benannt (11. Jänner 2001 Gemeinderatsausschuss für Kultur) nach dem gleichnamigen Wildtier“
  • Hirschengasse – „benannt (1827) nach dem Gasthausschild ‚Zum Hirschen'“
  • Holzlagerplatz – „Die Roßau besaß vom Neutor bis zur Spittelau einen ausgedehnten Holzmarkt, die Zulieferung erfolgte vor allem mittels Flößen oder Schiffen auf dem Wasserweg (neben der Donau auch Wien und Wiener Neustädter Kanal) und hier wieder (noch im 19. Jahrhundert) vorwiegend mit dem Ziel Roßau [1865 waren von 1.504 in Wien ankommenden Flößen 1.002 für die Roßau bestimmt]; Holz war noch im 19. Jahrhundert die wichtigste Energiequelle der Haushalte. Die Entladung der Schiffe besorgten die Holzscheiber (auch Strabler genannt; strabeln = eilen), die von Holzsetzern beaufsichtigt wurden“.
  • Jagdgasse – „benannt (Vorschlag des Bezirksamts Margareten von 15. September 1862) im Zusammenhang mit den noch um 1860 hier abgehaltenen Hasenjagden“
  • Jagdschlossgasse – „benannt (10. Juli 1894) nach dem kaiserlichen Jagdschloss in Lainz (um 1830)“
  • Jägerhausgasse – „benannt (5. Juli 1894 Stadtrat) nach dem ehemaligen kaiserlichen Jagdschloss in der Nähe des Hetzendorfer Schlosses“
  • Kiefernplatz – „benannt (16. Februar 1955 Gemeinderatsausschuss für Kultur) nach dem gleichnamigen Nadelholzbaum (Kiefer)“
  • Krummbaumgasse – „benannt 1862 nach dem Hausschild ‚Zum krummen Baum‘; wohl unter Bezugnahme auf einen tatsächlich hier gestandenen Baum“
  • Maulbeergasse – „benannt (13. Jänner 1954 Gemeinderatsausschuss für Kultur) nach dem aus Persien stammenden gleichnamigen Baum (Morus) mit schwarzen, essbaren Früchten, dessen Blätter Hauptnahrungsmittel der Seidenraupen sind“
  • Nußwaldgasse – „benannt (18. Juli 1894 Stadtrat) zur Erinnerung an den reichen Bestand an Nussbäumen in dieser Gegend (Flurname)“
  • Oleandergasse – „benannt (19. Mai 1954 Gemeinderatsausschuss für Kultur) nach dem im Mittelmeergebiet und in Asien beheimateten gleichnamigen Strauch und Baum (Nerium oleander)“
  • Pappelweg – „benannt (16. Jänner 1978 Gemeinderatsausschuss für Kultur) nach dem gleichnamigen Laubbaum (Populus)“
  • Rehlackenweg – „benannt (4. Februar 1959 Gemeinderatsausschuss für Kultur)) nach dem einstigen Sammelplatz von Rehen bei einer kleinen Lacke“
  • Robinienplatz – „benannt (16. Februar 1955 Gemeinderatsausschuss für Kultur) nach dem gleichnamigen Baum (‚falsche Akazie‘)“
  • Tannengasse – „benannt (um 1864/1869) nach einem historischen Baumbestand in dieser Gegend“
  • Thujagasse – „benannt (13. Jänner 1954 Gemeinderatsausschuss für Kultur) nach dem gleichnamigen Nadelholzbaum (Zierbaum mit schuppenförmige Blättern, auch Lebensbaum genannt)“
  • Zirbenweg – „benannt (5. Juni 2007 Gemeinderatsausschuss für Kultur und Wissenschaft) nach dem Baum (Pinus cembra)“

Dazu kommen zahlreiche Straßennamen mit Sträuchern – u.a. Buchsgasse, Fliedergasse, Ligusterweg, Mispelweg, Myrthengasse, Rosmaringasse, Schneeballenweg, Tamariskengasse, Weidenweg und Weißdornweg. Übrigens: Nicht alle dieser Straßen heißen heute noch so.

Weiterschmökern auf geschichtewiki.wien.at.


 
Auch Stadtwälder brauchen Förster

Martin Behr und Eva Hammerer berichten in den Salzburger Nachrichten über die Stadtwälder von Graz und Salzburg. Die Förster Peter Bedenk in Graz und Manuel Kapeller in Salzburg und ihre vielfältigen Aufgaben von der Jagd bis zur Waldpädagogik werden vorgestellt.

Es ist ein Job, bei dem man viel Zeit in der freien Natur verbringt: Stadtförster stoßen unerwartet auf Trüffel, müssen den Borkenkäfer und das Eschentriebsterben bekämpfen und sorgen sich um Wildtiere wie Dachs, Wildschwein und Fuchs.

Weiterlesen in den Salzburger Nachrichten vom 12. Oktober 2017.


 
Wald in Russland: „Halbdunkel, Illegalität und Bedrohung“
Thomas Claveirole: Chute #3, train 110, Russie, juillet 2010. Flickr, CC-BY-SA. Schwarz-Weiss-Bild eines Walds in Russland Thomas Claveirole: Chute #3, train 110, Russie, juillet 2010. Flickr, CC-BY-SA

In der Zeitschrift Archiv für Kulturgeschichte 78 (1996) 2 bin ich auf einen interessanten Artikel über Waldpolitik in Russland gestoßen: „Straße und Wald im Zarenreich“ von Christoph Schmidt. Der Artikel ist leider nicht frei verfügbar – ich konnte ihn erfreulicherweise online über die Universitätsbibliothek Wien beziehen. Zum „Gustomachen“ zitiere ich hier den Anfang:

Am 14. Oktober 1735 erließ der Petersburger Senat den Befehl, an der Landstraße nach Moskau stellenweise die Bäume zu roden, um die Fahrbahn auf dreißig Saien (ca. sechzig Meter) zu verbreitern. Zweck dessen war der Versuch, den Schutz der Reisenden vor Überfällen zu erhöhen. Diese Anordnung, die man vorderhand als Eingeständnis einer versagenden Strafverfolgung begreifen kann, läßt sich ebenso als Hinweis auf zwei Antagonisten auffassen: Weicht einer zurück, setzt der andere nach. Dabei verkörpert das Medium „Straße“ Eigenschaften wie Tageslicht, Technik und staatliche Ordnung, während sein Opponent „Wald“ für Halbdunkel, Illegalität und Bedrohung steht. Zwischen Straße und Wald scheint sich damit ein tiefreichender Gegensatz aufzutun.

Schmidt beschreibt auch rechtliche und politische Maßnahmen zum Schutz des Waldes, zur Deckung des Holzbedarfs etc. Mit Wald verbundene Steuerpolitik, die Einrichtung eines eigenen Forstdepartements im Finanzministerium, die Gründung von Forstschulen und vieles mehr kommen ebenfalls vor.

Bäume und Waldgeister in russischen Mythen

Besonders interessant fand ich auch die erwähnten Baum- und Waldmythen:

Geradezu überraschende Vielfalt hatte sich auf immaterieller Ebene ausgebildet, da benachbarte Kreise oftmals unterschiedliche Baum- und Waldmythen kannten. Im Gouvernement Orel erzählte man sich beispielsweise davon, daß manche Eiche einen habgierigen Menschen gefangen halte; bei Smolensk hieß es, eine Begegnung mit der Frau des Waldgeistes nach deren Niederkunft berechtige dazu, sich von ihr Geld zu wünschen. Wer darauf hereinfalle, werde erleben, wie die von ihr erhaltenen Münzen nach Verlassen des Waldes zu Kohle würden. Wer sich jedoch als bescheiden erweise und der Versuchung widerstehe, dem bleibe fortan das Glück treu. In beiden Fällen wurde der Wald zur moralischen Instanz verklärt, die vermeintlich Maßlose zur Rechenschaft zog.