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Kategorie: Wald & Mensch

Schönheit des Waldes, Schutzfunktion, religiöse und mystische Wahrnehmung des Waldes

Wald – Rückzugsort für erschöpfte Großstädter?

Timon Karl Kaleyta schreibt in seinem FAZ-Artikel „Neue deutsche Angst“ vom 27. November 2018:

Es ist ja gerade mal ein halbes Jahr her, da schickte die Bestseller-Autorin Charlotte Roche aus ihrem frisch bezogenen Bauernhaus-Idyll weit vor den Toren Kölns eine Kolumne hinaus in die Welt, in der sie alarmistisch dazu aufrief: ‚Verlasst die Städte!‚ Der vieldiskutierte wie kritisierte Text traf einen Nerv, stieß er doch offenbar auf eine digital übersäuerte, abgeschlaffte Großstadt-Gesellschaft, die sich schon länger darin erschöpft, ihre ‚Akkus‘ beim Pilze sammeln und Brot backen im Umland zu laden und die für eine kurze Pause vom eigenen Smartphone gezielt in brandenburgische Funklöcher flüchtet und dort nebenher, an den langen Wochenenden, den Jagdschein machte und sich bei Manufactum für den Ernstfall eindeckte.

Kaleyta trifft es aus meiner Sicht ziemlich gut. Ich wohne ja selber am Land, schätze als „Frau von Wald“ das Landleben und den Wald. Mir kommt aber manchmal vor, dass die allzugroßen Lobpreisungen immer von denen kommen, die dann noch die praktische Stadtwohnung haben und die gut bezahlten Jobs mit Home-Office. Unter der Woche in der Stadt und im Theater und in der Ausstellung, am Wochenende dann das tolle Landleben im Zweithaus. Das sind oft Leute, die die Nachteile des Landlebens deutlich weniger spüren als jene, die immer hier wohnen. Ich denke an den öffentlichen Verkehr, die Kinderbetreuung, das kulturelle Angebot etc.etc. Gut, vielleicht übertreibe ich etwas. Was meint Ihr dazu?


 
Naturschutztag: Wie wünschen wir uns den Wald von morgen?

Wald, BäumeDer Naturschutzbund Niederösterreich lädt am 20. Oktober 2018 zum NÖ Naturschutztag im Kunsthaus Horn (Wiener Straße 2, 3580 Horn, Informationen zur Anreise).

Der Wald steht im Zentrum zahlreicher Interessen wie kaum zuvor. Borkenkäfer, Eschentriebsterben und Schwammspinner sind eine große Herausforderung für die Forstwirtschaft. Gleichzeitig gewinnt der Wald zunehmend an Bedeutung als Wohlfühloase, Erholungs- und Regenerationsraum für den gestressten Menschen.

Was wünschen wir uns vom Wald als Wirtschaftsraum, als Lebensraum zahlreicher Pflanzen- und Tierarten und als Erholungsraum für den Menschen? Kann der Wald all die Ansprüche, die an ihn gestellt werden, heute noch erfüllen? Wie muss ein Wald aussehen, um diesen Anforderungen gerecht zu werden? Diese Fragen werden bei einer Exkursion, Vorträgen und Diskussionen behandelt.

Programm am Naturschutztag
  • 09:30 Uhr Exkursion: Niederschlagsmangel und die Folgen für den Wald am Beispiel Horner Becken – Borkenkäfermassenvermehrung, Eschensterben und was nun? – Forstdirektor Herbert Schmid – Stift Altenburg
  • 12:30 Uhr Jahreshauptversammlung des Naturschutzbund NÖ
  • 14:00 Uhr Eröffnung und Grußworte – Walter Hödl (Naturschutzbund NÖ), Jürgen Maier (Bürgermeister der Stadtgemeinde Horn), Vertreter_in von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner
  • 14:15 Uhr Der Wald im globalen Wandel. Internationale Entwicklungen und ihre ökosystemaren und sozio-ökonomischen Auswirkungen – Christoph Wildburger (IUFRO Coordinator Global Forest Expert Panels)
  • Wie wird der Wald von morgen aussehen? – Rupert Seidl (Universität für Bodenkultur)
  • 15:00 Uhr Wie sieht es in der Praxis aus? Kurzer Impulsvortrag und anschließende Podiumsdiskussion mit P. Michael Hüttl (Stift Altenburg), Erhard Kraus (Forschungsgemeinschaft LANIUS), Ute Nüsken (NÖ Naturschutzjugend), Wolfgang Riener (Förster im Nationalpark Thayatal), Andreas Schwarzinger (Waldviertel Tourismus)
  • 16:30 Uhr Was wünsche ich mir vom Wald von morgen? Publikumsdiskussion
  • 17:30 Uhr Gemütliches Zusammensein

Weitere Informationen, Programm zum Download (PDF).


 
Frau von Wald fällt ihren ersten Baum

Letzten Donnerstag habe ich meinen ersten Baum gefällt. Nicht schlecht angesichts der Tatsache, dass ich am Montag das erste Mal in meinem Leben eine Motorsäge in der Hand gehalten habe! Möglich gemacht hat es das Forstmodul im Rahmen der Waldpädagogik-Ausbildung. Ich habe früher Motorsägen extrem gruselig gefunden. Bei der ersten Kurswoche haben wir aber die Sicherheitsvorkehrungen moderner Motorsägen – von Kettenbremse bis Gashebelsperre – besprochen. Nun habe ich nur mehr größten Respekt davor, habe mich aber in der zweiten Kurswoche getraut, auch selbst zuzugreifen. Die Akkusäge hat mir sehr zugesagt, weil sie keinen Lärm macht, wenn man nicht gerade schneidet, und sehr leicht zu starten geht!

Ich habe es genossen, eine Woche weg vom Schreibtisch und Computer zu sein. Ich Nachteule bin jeden Abend um halb neun weggebrochen. Dass die Bewegungen noch nicht so routiniert, die Haltung nicht perfekt und das Gelände ungewohnt steil ist, habe ich beim Aufstehen in der Früh immer deutlich gemerkt 😉

Perfektes Betreuungsverhältnis

Was mir am Kurs an der FAST Pichl sehr gut gefallen hat, war, dass wir meistens in Vierergruppen mit je einem Praxislehrer gearbeitet haben. Die Praxislehrer waren vom Alter und der Persönlichkeit sehr unterschiedlich, so konnten wir von jedem einzelnen viel lernen.

Hier einmal zwei Bilder – weitere werden in den nächsten Tagen folgen!


 
Forstgeschichtliche Tagung „European forests – our cultural heritage“ in Kärnten

Die internationale forstgeschichtliche Tagung „European forests – our cultural heritage“ findet von 4. bis 7. Dezember 2018 in St. Georgen am Längsee (Kärnten) statt. Ziel der Tagung:

The aim of the European Cultural Heritage Year 2018 is to share our common cultural heritage and its potential for identification, participation on and development of European cultural, social, economic and other values. The cultural heritage of the forests and in the forests tackles the multiple interrelationships between forests, forest management and the human society, which have changed in the course of history. It is not only confined to demonstrating historical developments, but contributes also considerably to a better understanding of the present situation of forests and the development of the cultural landscape, and provides valuable input for forest conservation and management policies.

The EU-Action Plan 2006 acknowledged cultural landscapes, traditional practise and other cultural values of forests as some of the ways of achieving local and regional sustainable development. Landscape values are also included in the new Common Agricultural Policy (CAP) and the European Landscape Convention. Cultural landscapes are considered to be a development factor. These potentials have only partly been investigated till now.

However, there is an increasing demand by forest owners related to new markets and additional income beside forestry and an increasing interest of tourisms in the utilization of forest areas and beautiful sceneries. At present numerous initiatives, collections and museums exist; however, they are often not adequately linked. Thus, a new approach for co-operation of forest and woodland history including traditional knowledge and forest and tourist enterprises is aimed and an increasing need to deepen the knowledge related to the forest related cultural heritage should be fulfilled.

Von Lettland bis Spanien

Einige Beiträge, die ich besonders interessant finde (eigentlich könnte ich jeden einzelnen anführen):

  • Mārtiņš Lūkins: Ancient forest mapping and recognition: case study from Latvia
  • Tanya Bakhmetyeva: Seeing the Nation for the Trees: The Cultural Heritage of Białowieża Forest and the Debate on Polish National Identity
  • Triin Kusmin: Presenting and Interpreting Cultural Heritage in the Visitor Management of Estonian State Forest
  • Péter Szabó: Non-timber Forest Uses in Preindustrial Central Europe
  • Elisabeth Johann: The forgotten heritage: Sustainable Forest Management and the Safeguarding of the Forestry-related Tangible and Intangible Cultural Heritage in Austria
  • D. Rus: The relation with the forest in Transylvania reflected in local fairytales and legends
  • Jiří Woitsch: The inventory of memorable trees in the Czech Republic: A potential tool for identification and safeguarding of traditional knowledge and heritage related to trees and forest management
  • Catharina de Pater: Articulation of Spiritual Values in Forest Management Plans
  • Marianne Schreck: Forest in Austria (1930-19947) – from the crisis until the reestablishment of the Federal Department of forest. Visual correspondences between the regimes, forestry institutions and cultural phenomenons
  • Nina Luostarinen: Put yourself in the picture – Art interpretations as a Tool for Deeper Connection to the Forest

Das vollständige Programm und Informationen zur Anmeldung finden Sie auf der Website des Fachausschusses Forstgeschichte im Österreichischen Forstverein.


 

 
Blüht die Esche vor der Eiche… Bauernregeln

Wenn sich die Föhrenbockerl öffnen, kommt dann wirklich gutes Wetter? Der britische Showmaster Scott Mills geht in seiner Sendung „Who do you trust?“ dieser und anderen Wetterregeln auf den Grund – gemeinsam mit dem Meteorologen Charles Powell vom Metoffice. Übrigens gibt es noch viele weitere Bauernregeln mit Baumbezug…

  • Januar ganz ohne Schnee tut Bäumen, Bergen und Tälern weh.
  • An Fabian und Sebastian fängt Baum und Tag zu wachsen an.
  • Fabian im Nebelhut, der tut den Bäumen gar nicht gut.
  • Der Matthias hat uns lieb, er gibt dem Baum den ersten Trieb.
  • Wenn sich Sankt Walburgis zeigt, der Birkensaft nach oben steigt.
  • Blüht die Esche vor der Eiche, gibt es eine große Bleiche (= trockener Sommer), blüht die Eiche vor der Esche, gibt es eine große Wäsche (= verregneter Sommer). – Eine  Bauernregel mit diesen beiden Bäumen gibt es übrigens auch auf Englisch: Oak before ash, in for a splash / Ash before oak, in for a soak.
  • Im September die Birnen fest am Stiel, bringt der Winter Kälte viel.
  • Viel Eicheln im September, viel Schnee im Dezember.
  • Sankt Kosmas und Sankt Damian fängt das Laub zu färben an.
  • Fallen die Eicheln vor Michael ab, so steigt der Sommer früh in’s Grab.
  • Wenn Bucheckern geraten wohl, Nuss- und Eichbaum hängen voll, so folgt ein harter Winter drauf, und es fällt der Schnee zuhauf.
Mehr zu Bauernregeln

 
Heilige Bäume in Nigeria

Emeka E. Okonkwo, Maureen O. Ukaegbu und Afamefuna P. Eyis sind drei ForscherInnen der Universität von Nigeria. Sie haben traditionelle Formen der Holzverarbeitung in Anaocha, einer Region im Südosten Nigerias, untersucht. In ihrem Artikel „A Documentation of Some Traditional Aspects of Wood Consumption in Anaocha, Nigeria“ schreiben sie auch über die spirituelle und mythologische Bedeutung bestimmter Bäume bzw. Hölzer:

Farbphoto einer reich verzierten Holztür„In Anaocha, wood and wood products have socioeconomic, political, religious, and cultural implications. These are enshrined in the people’s ways of life and exemplified in their norms, values, beliefs, and customs. Religiously, some trees (Iroko, Ofor, Anunuebe, and Ogilisi) are perceived to be sacred because of the religious roles such trees play within the locality as well as their perceived inherent supernatural powers. Trees, such as Iroko, coconut, and so forth, are linked to reincarnation of certain individuals. It is a general belief that a reincarnated individual buries his or her Iyi-uwa (a special kind of stone, which forms the link between an Ogbanje and the spirit world) with which his or her reincarnation was made possible under such trees. Iyi-uwa is an object from Igbo mythology that binds the spirit of a dead child (known as Ogbanje) to the world, causing it to return and be born again by the same mother. (…)
Ethnographic sources revealed that white or red cloths are tied around the tree and that such cloth is often stained with blood of sacrificial animals such as fowls, goats, cows, and so forth. Furthermore, the foot of the tree is decorated with broken pieces of potsherds and stones that are arranged strategically. Prayers and libations are often done under such a tree which is often linked to a particular deity.
Wood types such as Iroko, Akanta, and Ngwu are used in carving sacred objects such as masquerade heads, images of deities (gods and goddesses), and religious musical instruments such as drums, gongs, and flutes. This is because of the belief that they are associated with Ala, the earth goddess, and has connection to the supernatural beings or the spirit world that links the people with their ancestors and ancestress. Thus, some trees are revered as demigods and attract lots of rituals, ceremonies, offerings of sacrifices, and dedications in the communities where they are found. In fact, sacred trees such as Iroko, Ngwu, and Ofor are installed as gods by most communities in Anaocha“.
Quellen

Textauszug aus: Emeka E. Okonkwo / Maureen O. Ukaegbu / Afamefuna P. Eyis: „A Documentation of Some Traditional Aspects of Wood Consumption in Anaocha, Nigeria„. In: SAGE Open 6 (2016) 2 (frei zugänglich, Lizenz CC-BY)

Bild von: Neil R: Tür aus Iroko-Holz, dem Meister von Ikare zugeschrieben, spätes 19. Jahrhundert (Lizenz CC-BY-NC). Weitere Beschreibung des Objekts auf der Website des Brooklyn Museums. Quelle des Objekts: Museum Expedition 1922, Robert B. Woodward Memorial Fund.


 

 
Webinar „We bring fire with us“: Waldbrände in den USA

2017 haben Waldbrände in den USA soviel Schaden wie noch nie angerichtet. Welchen Anteil die Menschen daran haben und wie wir wieder lernen können, mit Feuer zu leben, ist Thema bei einem kostenlosen Webinar am 20. September 2018. Dr. Jennifer K. Balch spricht über „We bring fire with us: The role of people in changing modern U.S. fire regimes“ und wird auch Fragen der TeilnehmerInnen beantworten. Balch ist Leiterin des Earth Lab und Professorin am Department of Geography der University of Colorado-Boulder.

There are three ingredients needed for fire: fuel to burn, hot & dry conditions, and an ignition source. People are changing all three. The area burned has increased over just the past several decades, in western U.S. forests by 1500%. Last year was the most expensive wildfire season ever in the U.S., costing $18 Billion. We need to learn to live with fire, again. But how? Ultimately, we need to build better and burn better. In this webinar, Dr. Balch will explore these questions and answer questions from webinar participants.

Anmeldung zum Webinar hier (andere Zeitzone berücksichtigen!).

Das Webinar ist eine gemeinsame Veranstaltung des Board on Earth Sciences and Resources und des Water Science and Technology Board der US-amerikanischen National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine. Die Academies bieten übrigens auf ihrer Website zahlreiche neuere und ältere Reports zum kostenlosen Download (bzw. zur kostenpflichtigen Bestellung als gedrucktes Buch) an. Zum Thema Waldbrand u.a. „A Century of Wildland Fire Research. Contributions to Long-term Approaches for Wildland Fire Management: Proceedings of a Workshop“ (2017).


 
Waldprodukte am globalen Kosmetikmarkt: ein Potential?

Nola Andaya ist Mitarbeiterin des Non-timber forest products Exchange programme (NTFP-EP), in dem über sechzig Nicht-Regierungs-Organisationen mit forest-based communities auf den Philippinen, in Indien, Indonesien, Malaysia, Vietnam und Kambodscha zusammenarbeiten. Ziel ist, deren Kompetenzen zur nachhaltigen Bewirtschaftung zu stärken. Sie sieht großes wirtschaftliches Potential in Nichtholzprodukten für den wachsenden Kosmetikmarkt.

Das Zitat stammt aus einer Veranstaltung im Rahmen der 6. World Forest Week der FAO in Rom. Bei dieser internationalen Veranstaltung wird der Beitrag der Forstwirtschaft zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung der UNO diskutiert.

Zum Weiterlesen

 
Sofia von Schledorn: Wie Katharina den Wald verlor

Wald bedeutet für viele Menschen Erholung, Durchatmen, Ruhe, Entspannung. Aber nicht für alle. Sofia von Schledorn hat für die Plattform „Grüner Journalismus“ mit einer jungen Frau gesprochen, die den Bezug zum Wald verloren hat: „Katharina braucht das Weite. Sie will eine Aussicht, die sie genießen kann, sie will sich nicht durch Bäume abgeschirmt fühlen, sondern den Himmel sehen“. Weiterlesen.