Juli 2018

“den bäumen kunstgemäsz seitenäste abnehmen”. Über Kopfbäume und Schnaiteln

Farbphoto Kopfweiden Schneiteln geschneitelte Baeume Kopfbäume WeidenBei einem Sonntagsspaziergang am Johannesbach in Würflach bin ich diesen geschnaitelten Weiden begegnet. Man sagt auch “Kopfbäume” dazu. Die Jungäste verschiedener Baumarten wurden regelmäßig geschnitten, dadurch entsteht diese spezielle Form. Im Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm wird Schnaiteln als “den bäumen kunstgemäsz seitenäste abnehmen” definiert. Der Vorgang wird Schneiteln, Schnaiteln, Schnoaten, Schnatten oder auch Grassen genannt.

Die Anwendungen sind vielfältig: Weidenruten dienten zum Korbflechten oder als Bohnenstangen, Eichenrinde war für die Ledergerbung notwendig, Fichten- und Eschenzweige dienten als Einstreu. Eschenlaub wurde als Viehfutter für Ziegen verwendet, aber auch die Menschen verwendeten Speiselaub.

6128 Kopfbäume im Burgenland kartiert

Das Schnaiteln war in ganz Österreich gebräuchlich. Der Burgenländische Naturschutzbund hat eine umfassende Broschüre dazu herausgegeben, die online im PDF-Format heruntergeladen werden kann: “Kopfbäume – das vergessene Kulturgut: Erfassung, Pflege, Erhaltung und Bewusstseinsbildung” (2007). Im Rahmen eines Ziel-1-Projekts kartierte das Projektteam die burgenländischen Schnaitelbäume – insgesamt 6128 Stück an 679 Standorten. Darüber informiert die Broschüre “Kopfbäume im Burgenland” (2013) genauer. Renate Roth schreibt darin:

Kopfbäume gehören im Burgenland als Denkmäler traditioneller Nutzung zum typischen Bild der Landschaft. Sie zeichnen sich durch eine überaus wichtige ökologische Bedeutung als spezielles Habitat für unzählige, zum Teil seltene Insekten, Kleinsäuger, Amphibien und Reptilien aus. In den letzten Jahrzehnten wurden Kopfbäume aufgrund der weitgehenden Nutzungsaufgabe allerdings kaum mehr geschnitten. Viele Bestände verschwanden im Zuge von Flurbereinigungen.
Mehr über das Schneiteln

Waldprodukte am globalen Kosmetikmarkt: ein Potential?

Nola Andaya ist Mitarbeiterin des Non-timber forest products Exchange programme (NTFP-EP), in dem über sechzig Nicht-Regierungs-Organisationen mit forest-based communities auf den Philippinen, in Indien, Indonesien, Malaysia, Vietnam und Kambodscha zusammenarbeiten. Ziel ist, deren Kompetenzen zur nachhaltigen Bewirtschaftung zu stärken. Sie sieht großes wirtschaftliches Potential in Nichtholzprodukten für den wachsenden Kosmetikmarkt.

Das Zitat stammt aus einer Veranstaltung im Rahmen der 6. World Forest Week der FAO in Rom. Bei dieser internationalen Veranstaltung wird der Beitrag der Forstwirtschaft zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung der UNO diskutiert.

Zum Weiterlesen

Produkttest: Waldbier 2017 mit Traubenkirschblüten

2011 – im Internationalen Jahr des Waldes – braute Axel Kiesbye erstmals ein Waldbier für die Österreichischen Bundesforste. Damals wurden Maiwipferl von der Tanne verwendet. Seitdem wird jedes Jahr ein Bier mit Waldextra produziert, und zwar in der Trumer Privatbrauerei im Land Salzburg.

Gastautorin Susanne Meyer testete für uns die Ausgabe des Jahres 2017 mit Blüten der Traubenkirsche, erworben beim Schlossfest in Eckartsau. Ihr persönliches Fazit:

Waldbier schmeckt nach mehr
getigerte Katze riecht an Bierglas, daneben Bierflasche Mit feiner Nase wurde das Aroma überprüft. Bild: Susanne Meyer.
(no animals were harmed during this product test) 😉

“Heute ein für mich perfekter Tag für ein erfrischendes Bier – man kann gemütlich im Garten sitzen, wo es zwar sonnig und warm ist, aber durch den leichten Wind nicht unerträglich heiß, und dazu passt es richtig gut. Ich habe also zum ersten Mal ein Waldbier, gebraut für und vertrieben von den Österreichischen Bundesforsten, probiert. Und zwar konkret eines des Jahrgangs 2017, “Wilde Kirsche” genannt. Dem Aufkleber nach enthält es neben “gewöhnlichem” Bockbier auch Blütenbier aus Traubenkirschblüten. Mit 7,2% ist der Alkoholgehalt – klar, der Hauptanteil ist ja Bockbier – recht hoch, was mich erstaunt. Denn beim ersten Schluck dachte ich sofort: hm, angenehm leicht, gerade recht für einen Sommertag.

Vielleicht stammt das leichte Gefühl vom Blütenbieranteil? Beim dritten, vierten, fünften Schluck spüre ich den Alkoholgehalt dann aber doch. Durchaus eines von den süffigen, schwereren Bieren, die ich ohnehin lieber mag als die ganz leichten.

Den Geschmack nach “wilder Kirsche” würde ich übrigens nicht herausschmecken, wenn ich nicht wüsste, dass er da ist. Dennoch schmeckt es mir sehr gut, es ist feinherb ohne aufdringlich zu sein, würzig im gerade richtigen Ausmaß. Farbe und Krone sind ansprechend und erinnern mich an Zwicklbier. Leicht trüb und honiggelb.

Fazit: mir schmeckts! Süffig, gschmackig, rund. Hätte jetzt gerne noch ein zweites”.

Wie kommen die Blüten ins Bier?
Korb gefuellt mit weissen Blueten Frisch geerntete Blüten der Traubenkirsche. Bild: ÖBf-Archiv / W. Simlinger

Das schildert der Braumeister so: “Die Blüten mussten für die Verarbeitung einzeln von den zehn bis fünfzehn Zentimeter langen Trauben gelöst werden. In einem konzentrierten Zuckersirup wurden sie zunächst zwei Monate lang ausgelaugt, der Sirup wurde danach leicht fermentiert und schließlich dem speziell eingebrauten Basisbier zugesetzt. Bei der daraufhin einsetzenden zweiten Gärung gingen die Aromen ins Bier über” (Presseaussendung der Bundesforste).

2018: Waldbier mit getoasteten Holzchips

Zur heurigen Ausgabe des Waldbiers ist es übrigens nicht mehr lang: ab Oktober soll das Bier mit Holzbirne erhältlich sein. Diesmal kommen nicht nur Blüten, sondern auch Blätter, getoastete Holzchips und die getrockneten Früchte aus dem Forstrevier Wildalpen hinein (Presseaussendung der Bundesforste). Durch den hohen Alkoholgehalt lässt sich das Bier übrigens gut lagern.


Sofia von Schledorn: Wie Katharina den Wald verlor

Wald bedeutet für viele Menschen Erholung, Durchatmen, Ruhe, Entspannung. Aber nicht für alle. Sofia von Schledorn hat für die Plattform “Grüner Journalismus” mit einer jungen Frau gesprochen, die den Bezug zum Wald verloren hat: “Katharina braucht das Weite. Sie will eine Aussicht, die sie genießen kann, sie will sich nicht durch Bäume abgeschirmt fühlen, sondern den Himmel sehen”. Weiterlesen.


2018: besonders schlechte Waldhonigernte

Biene Österreich, der Dachverband der österreichischen Bienenzuchtverbände, weist in einer Presseaussendung auf die besonders schlechte Waldhonigernte hin:

Außergewöhnlich ist, dass in ganz Österreich keine nennenswerte Waldhonigernte verzeichnet werden kann. Damit fehlt etwa die Hälfte der gesamten Honigernte in Österreich, da Waldhonig etwa 50% der Gesamternte ausmacht. Weil auch die letzten Jahre, mit Ausnahme des vorigen Jahres, in Summe unterdurchschnittliche Honigernten gebracht haben, sind die Honiglager weitgehend geleert.