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Schlagwort: Transport

Wald in Russland: „Halbdunkel, Illegalität und Bedrohung“
Thomas Claveirole: Chute #3, train 110, Russie, juillet 2010. Flickr, CC-BY-SA. Schwarz-Weiss-Bild eines Walds in Russland Thomas Claveirole: Chute #3, train 110, Russie, juillet 2010. Flickr, CC-BY-SA

In der Zeitschrift Archiv für Kulturgeschichte 78 (1996) 2 bin ich auf einen interessanten Artikel über Waldpolitik in Russland gestoßen: „Straße und Wald im Zarenreich“ von Christoph Schmidt. Der Artikel ist leider nicht frei verfügbar – ich konnte ihn erfreulicherweise online über die Universitätsbibliothek Wien beziehen. Zum „Gustomachen“ zitiere ich hier den Anfang:

Am 14. Oktober 1735 erließ der Petersburger Senat den Befehl, an der Landstraße nach Moskau stellenweise die Bäume zu roden, um die Fahrbahn auf dreißig Saien (ca. sechzig Meter) zu verbreitern. Zweck dessen war der Versuch, den Schutz der Reisenden vor Überfällen zu erhöhen. Diese Anordnung, die man vorderhand als Eingeständnis einer versagenden Strafverfolgung begreifen kann, läßt sich ebenso als Hinweis auf zwei Antagonisten auffassen: Weicht einer zurück, setzt der andere nach. Dabei verkörpert das Medium „Straße“ Eigenschaften wie Tageslicht, Technik und staatliche Ordnung, während sein Opponent „Wald“ für Halbdunkel, Illegalität und Bedrohung steht. Zwischen Straße und Wald scheint sich damit ein tiefreichender Gegensatz aufzutun.

Schmidt beschreibt auch rechtliche und politische Maßnahmen zum Schutz des Waldes, zur Deckung des Holzbedarfs etc. Mit Wald verbundene Steuerpolitik, die Einrichtung eines eigenen Forstdepartements im Finanzministerium, die Gründung von Forstschulen und vieles mehr kommen ebenfalls vor.

Bäume und Waldgeister in russischen Mythen

Besonders interessant fand ich auch die erwähnten Baum- und Waldmythen:

Geradezu überraschende Vielfalt hatte sich auf immaterieller Ebene ausgebildet, da benachbarte Kreise oftmals unterschiedliche Baum- und Waldmythen kannten. Im Gouvernement Orel erzählte man sich beispielsweise davon, daß manche Eiche einen habgierigen Menschen gefangen halte; bei Smolensk hieß es, eine Begegnung mit der Frau des Waldgeistes nach deren Niederkunft berechtige dazu, sich von ihr Geld zu wünschen. Wer darauf hereinfalle, werde erleben, wie die von ihr erhaltenen Münzen nach Verlassen des Waldes zu Kohle würden. Wer sich jedoch als bescheiden erweise und der Versuchung widerstehe, dem bleibe fortan das Glück treu. In beiden Fällen wurde der Wald zur moralischen Instanz verklärt, die vermeintlich Maßlose zur Rechenschaft zog.

 
Waldpflege an Bahnlinien

In Deutschland und Österreich gibt es heute wieder einige gesperrte Bahnlinien, weil der Sturm Bäume umgeknickt hat. Wie kann man dem mit gezielter Waldpflege vorbeugen?

Mit einem speziellen Waldpflegekonzept will der Forstdienst der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) die Anzahl solcher Störungen nachhaltig verringern.

Der Sicherheitsstreifen entlang der Gleise ist jener Bereich, „aus dem durch Bäume oder Gehölzteile Gefahren für den Bahnbetrieb und die Bahnanlagen entstehen können“. Er besteht aus vier Bereichen – einer gehölzfreien Zone (intensive Unterhaltzone), einer Niederhaltezone, einer stabilen Waldzone und einer Kontrollzone. Je nach Bedeutung der jeweiligen Strecke gestaltet sich der Sicherheitsstreifen anders. Das Waldpflegekonzept sieht vor, dass die Stabilität des Baumbestandes individuell beurteilt wird und dass die Bäume rechtzeitig und regelmäßig gepflegt werden. Weiterlesen auf waldwissen.net.

Metropolitan Transportation Authority of the State of New York: Trees down south of MNR's Cold Springs station (2012), CC-BY Metropolitan Transportation Authority of the State of New York: Trees down south of MNR’s Cold Springs station (2012), CC-BY

Der Hinweis auf das Thema und die waldwissen-Seite stammt von Jörg Kachelmann auf Twitter. Die daraus folgende Diskussion ist ebenfalls interessant, zum Beispiel der Hinweis von Torsten Jerzembeck, dass bis 1977 in der BRD Brandschutzstreifen freigehalten wurden, die wegen der Dampfloks nötig waren, oder ein altes Plakat der Deutschen Bahn mit dem Slogan „Alle reden vom Wetter. Wir nicht“, das Rainer Kresken gepostet hat.

 
Holzstoff aus Pitten

In Pitten wird seit 1828 Papier produziert – anfangs waren Hadern der Grundstoff für die Papiererzeugung, 1853 stellte Wilhelm Hamburger den ersten Holzstoff Österreichs her. Holzschleifereien, in denen Zellstoff für die Papiererzeugung hergestellt wurde, gab es über die gesamte Region verstreut – unter anderem in Erlach, Schwarzau, Gleißenfeld, Grimmenstein, Feistritz und Trattenbach. Die am längsten bestehende Holzschleiferei der Region, die „Martinsschleife„, befand sich in Mariensee. Seit 1971 ist in diesem Gebäude ein Wasserkraftwerk untergebracht.

Auf der Website der immer noch in Pitten ansässigen Firma Hamburger gibt es erfreulicherweise auch Informationen zur Geschichte des Betriebes: historische Bilder, die Festbroschüre zum 150-Jahr-Jubiläum (PDF) und den Aufsatz „Die lange Geschichte der W. Hamburger“ von Bettina Neidhart (PDF). Darin gibt es auch amüsante Details zu lesen. Ein Beispiel: Der erste LKW (Saurer) und der erste PKW (Fiat) in Pitten wurden von Hamburger angeschafft. Interessant für den Abschnitt „Arbeitsbedingungen“ in meiner Ausstellung sind auch die Arbeiterwohnhäuser, die vom Unternehmen errichtet wurden.