Juni 2026

Call for Papers: Der Wald als Lebens- und Naturraum. Ökologisch-literarische Diskurse

Für die Internationale Tagung „Der Wald als Lebens- und Naturraum. Ökologisch-literarische Diskurse“, die im Februar 2027 in Saarbrücken stattfinden wird, werden Beiträge gesucht. Die Tagung wird vom Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass der Universität des Saarlandes ausgerichtet. Auszug aus dem Call for Papers:

Photo: Wald im Nebel. Ökologisch-literarische Diskurse„In einer Gegenwart, die bestimmt ist von politischen Krisen und Umbrüchen, von Disruption und Volatilität, Prozessen der Beschleunigung, des gesellschaftlichen Wandels und damit verbundenen Verunsicherungen, wird dem Wald im kulturellen Diskurs einerseits eine Funktion als Sinnbild von Ruhe und Beständigkeit zugeschrieben. In Deutschland unterstreichen besonders die erfolgreichen Bücher des Försters Peter Wohlleben, dass und auf welche Weise der Wald positiv im kollektiven Bewusstsein verankert ist. Doch Wohllebens Topos vom „geheimen Leben der Bäume“ deutet zugleich an, wie sehr der Wald seit jeher auch als Mysterium und unbekannte bisweilen unheimliche Entität wahrgenommen wird. Dieses Spannungsfeld ist signifikant für Repräsentationen des Waldes in der Literatur.

„Rolle des Waldes in der Literatur in ihrer Vielschichtigkeit und Ambiguität“

[…] Vor dem Hintergrund dieser Tendenzen möchte die Tagung die Rolle des Waldes in der Literatur in ihrer Vielschichtigkeit und Ambiguität aus gegenwärtiger wie historischer Perspektive beleuchten. Sie verfolgt damit das Ziel, Perspektiven der Literatur auf den Wald vorzustellen und zueinander in Beziehung zu setzen; ein besonderer Fokus liegt hierbei auf den Schnittstellen zwischen ästhetischer Repräsentation und ökologischem Bewusstsein.

[…]  Die Tagung möchte diese theoretischen Zugänge produktiv machen, um historische wie zeitgenössische Wald-Diskurse beschreibend zu verstehen. Wie verhalten sich literarische Formexperimente zur Komplexität ökologischer Systeme? Welche Rolle spielen Gattungstraditionen – vom heroischen Epos über das Märchen und die Bukolik bis hin zu phantastischen Romanen der Gegenwart – bei der Ausformung unseres Verständnisses von Waldnatur?

„Vorstellungen des Waldes als unheimlicher Wildnis oder spirituellem Rückzugsort“

Mögliche Fragen wären darüber hinaus die Übergänge von Vorstellungen des Waldes als unheimlicher Wildnis oder spirituellem Rückzugsort hin zur Konzeption des Waldes als streng reglementierter Wirtschafts- und Kulturraum und ihre literarische Darstellung, literarische Verarbeitungen der beginnenden Forstwissenschaft im 18. und 19. Jahrhundert, romantische Waldästhetik versus Industrialisierung, Beschreibungen des Waldes als Ort des Widerstands gegen den Utilitarismus der Moderne, Mythen und Märchen, vor allem die Verknüpfung von Wald, nationaler Identitätsstiftung (z. B. der „deutsche Wald“) und ökologischen Narrativen.

„Heimatbezug und Fremde, Vertrautheit und Unbekanntes“

Weitere Untersuchungsgegenstände wären der Wald in seinem Spannungsverhältnis von Ferne und Nähe, der Wald vor der Haustür und der exotische Urwald. Hierbei assoziiert der Wald gleichermaßen Heimatbezug und Fremde, Vertrautheit und Unbekanntes. Dabei interessieren insbesondere Beiträge, die den Wald aus einer regionalen Perspektive untersuchen, ebenso wie solche, die ihn aus einer globalen Perspektive betrachten. Des Weiteren sind auch Beiträge willkommen, die den Wald in der Literatur in Kontext zu Erkenntnissen der Wald- und Forstwissenschaften setzen, um darzulegen, wie der Wald zwischen Realität und Mythos in der Literatur behandelt wird.

Nicht zuletzt wären Beiträge relevant, die untersuchen, wie der Wald einerseits im Rahmen ökologisch-politischer Diskurse in der Literatur als Sinnbild von bedrohter Heimat und Natur aufgeladen und andererseits als dunkle, krisenhafte Repräsentation im Kontext der globalen ökologischen Krise verhandelt wird“.

Vollständiger Call und organisatorische Hinweise: https://networks.h-net.org/group/announcements/20153374/der-wald-als-lebens-und-naturraum-okologisch-literarische-diskurse

Bild: Monika Bargmann, Samstagsgrün in Ramplach, 1. September 2018, Flickr, CC-BY-SA 2.0