Forschung

Call for Papers: Der Wald als Lebens- und Naturraum. Ökologisch-literarische Diskurse

Für die Internationale Tagung „Der Wald als Lebens- und Naturraum. Ökologisch-literarische Diskurse“, die im Februar 2027 in Saarbrücken stattfinden wird, werden Beiträge gesucht. Die Tagung wird vom Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass der Universität des Saarlandes ausgerichtet. Auszug aus dem Call for Papers:

Photo: Wald im Nebel. Ökologisch-literarische Diskurse„In einer Gegenwart, die bestimmt ist von politischen Krisen und Umbrüchen, von Disruption und Volatilität, Prozessen der Beschleunigung, des gesellschaftlichen Wandels und damit verbundenen Verunsicherungen, wird dem Wald im kulturellen Diskurs einerseits eine Funktion als Sinnbild von Ruhe und Beständigkeit zugeschrieben. In Deutschland unterstreichen besonders die erfolgreichen Bücher des Försters Peter Wohlleben, dass und auf welche Weise der Wald positiv im kollektiven Bewusstsein verankert ist. Doch Wohllebens Topos vom „geheimen Leben der Bäume“ deutet zugleich an, wie sehr der Wald seit jeher auch als Mysterium und unbekannte bisweilen unheimliche Entität wahrgenommen wird. Dieses Spannungsfeld ist signifikant für Repräsentationen des Waldes in der Literatur.

„Rolle des Waldes in der Literatur in ihrer Vielschichtigkeit und Ambiguität“

[…] Vor dem Hintergrund dieser Tendenzen möchte die Tagung die Rolle des Waldes in der Literatur in ihrer Vielschichtigkeit und Ambiguität aus gegenwärtiger wie historischer Perspektive beleuchten. Sie verfolgt damit das Ziel, Perspektiven der Literatur auf den Wald vorzustellen und zueinander in Beziehung zu setzen; ein besonderer Fokus liegt hierbei auf den Schnittstellen zwischen ästhetischer Repräsentation und ökologischem Bewusstsein.

[…]  Die Tagung möchte diese theoretischen Zugänge produktiv machen, um historische wie zeitgenössische Wald-Diskurse beschreibend zu verstehen. Wie verhalten sich literarische Formexperimente zur Komplexität ökologischer Systeme? Welche Rolle spielen Gattungstraditionen – vom heroischen Epos über das Märchen und die Bukolik bis hin zu phantastischen Romanen der Gegenwart – bei der Ausformung unseres Verständnisses von Waldnatur?

„Vorstellungen des Waldes als unheimlicher Wildnis oder spirituellem Rückzugsort“

Mögliche Fragen wären darüber hinaus die Übergänge von Vorstellungen des Waldes als unheimlicher Wildnis oder spirituellem Rückzugsort hin zur Konzeption des Waldes als streng reglementierter Wirtschafts- und Kulturraum und ihre literarische Darstellung, literarische Verarbeitungen der beginnenden Forstwissenschaft im 18. und 19. Jahrhundert, romantische Waldästhetik versus Industrialisierung, Beschreibungen des Waldes als Ort des Widerstands gegen den Utilitarismus der Moderne, Mythen und Märchen, vor allem die Verknüpfung von Wald, nationaler Identitätsstiftung (z. B. der „deutsche Wald“) und ökologischen Narrativen.

„Heimatbezug und Fremde, Vertrautheit und Unbekanntes“

Weitere Untersuchungsgegenstände wären der Wald in seinem Spannungsverhältnis von Ferne und Nähe, der Wald vor der Haustür und der exotische Urwald. Hierbei assoziiert der Wald gleichermaßen Heimatbezug und Fremde, Vertrautheit und Unbekanntes. Dabei interessieren insbesondere Beiträge, die den Wald aus einer regionalen Perspektive untersuchen, ebenso wie solche, die ihn aus einer globalen Perspektive betrachten. Des Weiteren sind auch Beiträge willkommen, die den Wald in der Literatur in Kontext zu Erkenntnissen der Wald- und Forstwissenschaften setzen, um darzulegen, wie der Wald zwischen Realität und Mythos in der Literatur behandelt wird.

Nicht zuletzt wären Beiträge relevant, die untersuchen, wie der Wald einerseits im Rahmen ökologisch-politischer Diskurse in der Literatur als Sinnbild von bedrohter Heimat und Natur aufgeladen und andererseits als dunkle, krisenhafte Repräsentation im Kontext der globalen ökologischen Krise verhandelt wird“.

Vollständiger Call und organisatorische Hinweise: https://networks.h-net.org/group/announcements/20153374/der-wald-als-lebens-und-naturraum-okologisch-literarische-diskurse

Bild: Monika Bargmann, Samstagsgrün in Ramplach, 1. September 2018, Flickr, CC-BY-SA 2.0


Konferenz: Being an animal when humans hunt

Die Konferenz „Being an animal when humans hunt. Challenging the lethal difference“ findet von 19. bis 21. März an der Alanus-Hochschule und online via Zoom statt. Organisiert wird die Veranstaltung vom DFG-Netzwerk „Kulturgeschichte der Jagd“ und dem Institut für  Afrikanistik und Ägyptologie der Universität Köln.

Auszüge aus dem Programm

  • Lilietta Nyasha Njovana (University of Cape Town) & Matthew Wannenburgh (Stellenbosch University): An exploration of |xam hunting ethics and cosmology in the Bleek and Lloyd Archive
  • Mario Krämer (University of Cologne): Hunting and ecological sustainable forestry: Some notes on the ambivalences of multispecies encounters
  • Tanja Theißen-Braun (Independent Scholar): Predator complex: The humanimal situationality of hunting
  • Harshada Anand Kavade (Jawaharlal Nehru University, New Delhi, India): The hunted hunter: Inversion and animal agency in Grimm’s fairy tales
  • Ruth Sargent Noyes (Estonian Academy of Arts, Tallinn): The art of trapping and the making of early modern Europe
  • Amina Grunewald (HU Berlin): Considering the beaver: Colonial violence in contemporary indigenous artworks
  • Narciss M. Sohrabi (Paris-Nanterre University): The heroic hunt in stone and tile: Animal agency and ideologies of power in Iranian architectural ornament

Vollständiges Programm und Information zur Anmeldung.


Wie aus Holzresten Arzneimittel werden

Katalin Barta entwickelt Lösungen für eine grüne, nachhaltige Chemie. Aus dem Holzbestandteil Lignin will sie Moleküle für die Pharmaindustrie gewinnen – energiearm, effizient, mit neuen Lösungsmitteln und deutlich weniger Abfall als in der Petrochemie.

Barta arbeitet im Projekt „WoodValue: Nachhaltige Wege zu bioaktiven Heterocyclen aus Holz“. Mehr dazu im Beitrag „Wie aus Holzresten Arzneimittel werden“ von Verena Ahne im scilog-Magazin des FWF: https://scilog.fwf.ac.at/magazin/wie-aus-holzresten-arzneimittel-werden.


Biomass: ESA-Satellit vermisst Biomasse der Wälder

Am 29. April startete der europäische Satellit Biomass, der helfen soll, die Biomasse der Wälder und die enthaltene Kohlenstoffmenge genau abzuschätzen. Heute war die Antenne mit zwölf Metern Durchmesser vollständig geöffnet.

„Der Satellit Biomass wird in einer Höhe von 666 Kilometern über der Erdoberfläche kreisen und mit seiner riesigen Antenne, mit einem Durchmesser von 12 Metern, Daten sammeln, mit denen detaillierte Karten der Waldstruktur erstellt werden können, z. B. wie hoch die Bäume sind und wie dicht der Wald ist. Daraus können die WissenschaftlerInnen die Biomasse des Waldes und die darin gespeicherte Kohlenstoffmenge abschätzen.

Biomass ist mit einem speziellen Radarsystem ausgestattet, das ihm eine Superkraft verleiht: die Fähigkeit, durch die blättrige oberste Schicht des Waldes zu sehen! Mit diesem Radar kann er die darunter liegenden Teile wie Holzstämme, Äste und Stängel betrachten.“ (Quelle)

Für Forschung und Politik sind fehlende Daten über die in Wäldern gebundene Kohlenstoffmenge und deren Veränderungen eine besondere Herausforderung. Mit der auf mindestens fünf Jahre angelegten Mission soll die innere Struktur der Wälder in 3D sichtbar gemacht werden und die Baumstämme, Äste und Zweige vermessen werden. Die Biomasse dient als Annäherungsmaß für die Kohlenstoffmenge.

Leider wird Biomass keine Ansichten des österreichischen Waldes liefern können – in Europa und Nordamerika kann er nämlich nicht messen, weil das Radar in einem Frequenzbereich des US-Militärs arbeitet. In solchen Konfliktfällen entscheidet die International Telecommunication Union, eine UN-Sonderorganisation, über den Vorrang (Quelle). Das wurde aber in Kauf genommen, weil große Änderungen der Biomasse vor allem im Regenwald und nicht in Europa oder Nordamerika auftreten: „The most critical forest regions, such as the tropical forest belt, the boreal forest of Siberia and the temperate forests of China, would still be covered“ (Quelle). Einige aktuelle Medienberichte stellen das so dar, als wäre der ESA das erst jetzt aufgefallen, wo sie den Satelliten gestartet haben, aber das wurde schon vor vielen Jahren geklärt.

Österreich spielt übrigens trotzdem eine wichtige Rolle bei der Biomass-Mission: Für den Satelliten wurden wesentliche Komponenten von der niederösterreichischen Firma Beyond Gravity entwickelt.

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