Forst & Kultur

Holz im Kunsthistorischen Museum, Teil 1: Betnuss

Ich war in den letzten Wochen zweimal im Kunsthistorischen Museum in Wien – in der Kunstkammer, in der Sonderausstellung „Spitzmaus mummy in a coffin and other treasures„, in der Ägyptisch-Orientalischen Sammlung und der Antikensammlung. Dabei habe ich viele wunderbare Objekte aus Holz oder Baumfrüchten gesehen. Diese haben alle einen eigenen Eintrag verdient. Daher möchte ich heute die Reihe „Holz im Kunsthistorischen Museum“ starten.

Photo einer BetnussDen Anfang macht diese unglaublich detailreiche „Betnuss“ aus der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums. Sie wurde Anfang des 16. Jahrhunderts in den Niederlanden gefertigt und zeigt den Leidensweg Christi. Das Material ist Buchsbaumholz. Der Erhaltungszustand auch der kleinsten Teile ist wirklich faszinierend. Um sich den Detailreichtum vor Augen zuführen: Der Durchmesser beträgt knapp über sechs Zentimeter.

Was ist eine Betnuss eigentlich? Eine Betnuss wird im Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte als „eine in zwei Hälften aufklappbare, kleine, meist nicht über 6 cm Durchmesser hinausgehende nuß- oder schotenförmige Kapsel aus Buchsholz, später auch aus Elfenbein, Metall und anderen Stoffen“ beschrieben. Sie sei „in jeder Hinsicht ein nur dem Begüterten zugängliches Pretiosum“. Sie wird so beschrieben: „Ihre Oberfläche ist in der Frühzeit meist von Maßwerkornamenten durchbrochen oder zu zum Teil medaillonartigen Teilflächen abgeplattet. Im Innern jeder Hälfte ist eine mehr oder weniger figurenreiche, minutiöse Reliefschnitzerei eingelassen. Dargestellt sind Heiligenfiguren und Szenen aus dem Leben und der Passion Christi, zum Teil mit alttestamentarischen Gegenüberstellungen und meist mit entsprechenden Umschriften“. Der deutsche Begriff dürfte aber erst aus dem 19. Jahrhundert stammen.

Angabe: Kunsthistorisches Museum Wien, Rosenkranz-Anhänger mit Leidensweg Christi, sog. Betnuss. Inventarnummer „Kunstkammer, 4206“, Beschreibung in der KHM-Objektdatenbank.


Hermann Hesse: Bäume

Bäume sind für mich immer die eindringlichsten Prediger gewesen. Ich verehre sie, wenn sie in Völkern und Familien leben, in Wäldern und Hainen. Und noch mehr verehre ich sie, wenn sie einzeln stehen. Sie sind wie Einsame. Nicht wie Einsiedler, welche aus irgendeiner Schwäche sich davongestohlen haben, sondern wie große, vereinsamte Menschen, wie Beethoven und Nietzsche. In ihren Wipfeln rauscht die Welt, ihre Wurzeln ruhen im Unendlichen; allein sie verlieren sich nicht darin, sondern erstreben mit aller Kraft ihres Lebens nur das Eine: ihr eigenes, in ihnen wohnendes Gesetz zu erfüllen, ihre eigene Gestalt auszubauen, sich selbst darzustellen. Nichts ist heiliger, nichts ist vorbildlicher als ein schöner, starker Baum.

Buchcover mit Zweigen und gruenen Blaettern, Hermann Hesse: Baeume, Insel-VerlagDas Buch „Bäume“ mit Texten und Zeichnungen von Hermann Hesse und Farbphotographien von Dagmar Morath ist in der Reihe Insel-Bücherei erschienen. Es ist die erfolgreichste Anthologie des Verlages. Das Buch ist gebunden in Geschenkausstattung und als eBook erhältlich und so schön wie alle Insel-Bücher.

Die Natur und das Leben mit dem (vermeintlichen?) Widerspruch zwischen Natur und Geist ist ein häufiges Motiv in Hesses Werken. Die Berge spielten auch in seinem Leben eine große Rolle, er sah sie als „Inbegriff ursprünglicher Natur und ein Rückzugsort in Schaffenskrisen“ (bergzitat.de). Bäume begleiteten Hesse bis zu seinem Tod: Noch in seiner letzten Lebenswoche schrieb er das Gedicht „Knarren eines geknickten Astes„.

Zum Weiterlesen: „Hermann Hesse on What Trees Teach Us About Belonging and Life“ von Maria Popova auf der insgesamt sehr empfehlenswerten Seite BrainPickings und „Die Bedeutung der Natur in der Lyrik von Hermann Hesse und Li Tai Pe“ von Zhuangying Chen in der Zeitschrift „Literaturstraße. Chinesisch-deutsches Jahrbuch für Sprache, Literatur und Kultur„.


Förster blickt zurück: Roman über den „Traumberuf“

Buchcover, oben Schrift "Vom Traum zum Albtraum. Roman über den Traumberuf Foerster", unten Gemälde mit Baeumen und gruenem HutWeil ich regelmäßig bei Online-Antiquariaten nach „Förster“ und „Forstwirtschaft“ suche, bin ich kürzlich auf ein sehr interessantes Buch gestoßen: „Vom Traum zum Albtraum. Roman über den Traumberuf Förster“ von Kurt Offermann. Ich nenne nun Exemplar 205 der auf 1000 Stück limitierten, numerierten Auflage mein eigen.

Der 1942 geborene Offermann war Forstbeamter im Dienst des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, zuletzt als Forstamtsleiter des Forstamtes Gevelsberg. Er kann also auf einen großen forstlichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Der Roman hat autobiographische Elemente, und die Erlebnisse des Autors sind mit eingeflossen, es ist aber künstlerisch überhöht und mit erfundenen Elementen montiert. Übrigens, auch das Coverbild stammt von Offermann.

Dem Buch vorangestellt ist ein Zitat von Bertolt Brecht: „Weißt du, was ein Wald ist? Ist ein Wald etwa nur zehntausend Klafter Holz? Oder ist er eine grüne Menschenfreude?“. Der Untertitel „Roman über einen aussterbenden Beruf in einer dem Siechtum preisgegebenen Verwaltung in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts“ verrät schon einiges über die Ausrichtung des Werks – der Autor dazu:

Die vordergründige Einsparpolitik heutiger Regierungen zerschlägt die Forstverwaltungen um kurzfristig Geld zu sparen, ohne zu erkennen, dass damit mittel- und langfristig die Grundlagen einer umfassend nachhaltigen Nutzung des Waldes zerstört werden. Dazu wird die Entwicklung der letzten 50 Jahre dargestellt. Eindringlich wird auch auf Eigentumsverhältnisse – der größte Teil des Waldes gehört vielen kleinen Waldbesitzern – und die daraus entstehenden Zielkonflikte eingegangen.

Das Buch kann – abgesehen von Antiquariaten – nur direkt beim Autor bezogen werden. Alle Informationen dazu auf der Website des Autors, kofferberg.de. Berichte über das Buch sind u.a. in der Westfalen-Post vom 10. Dezember 2007 erschienen.


Jagdkulturatlas Bayern: vom Jagdschloss zum Wilderergrab

Der Bayerische Jagdverband hat ein wunderbares Online-Projekt gestartet: den Jagdkulturatlas Bayern.

Jagdkulturelle Objekte gibt in es in vielgestaltiger Form. Die die meisten davon blieben uns bisher verborgen, da sie noch nicht systematisch erfasst und dokumentiert worden sind. Mit dem Jagdkulturatlas Bayern lassen sich nun interessante Geschichten rund um die jagdlich kulturellen Schätze unserer Heimat, und gerne über die Grenzen hinaus geografisch verorten und interaktiv abrufen.

Der Atlas kann nach dem Namen des Objekts, der Kategorie (Bauwerk, archäologische Stätte, Flurdenkmal, Kulturlandschaft, Museum/Sammlung), Postleitzahl, Ort und nach dem erläuterndem Text durchsucht werden. Eingetragen sind z.B. ein Grenzstein, auf dem ein Jagdhorn abgebildet ist, Jagdschlösser, ein Dianabrunnen, eine Eustachius-Kapelle und das (vermeintliche) Grab des Wildschützen Georg Jennerwein. Der Atlas lebt vom Mitmachen!


Emily Carr: Autumn Woods

Die kanadische Malerin und Autorin Emily Carr (1871-1945) setzte sich zeit ihres Lebens mit den indigenen Völkern Alaskas und British Columbias (First Nations bzw. Alaska Natives) auseinander. Das zeigt sich in in ihren Gemälden von Totempfählen und anderen indianischen Motiven und in ihren Landschaftsbildern. „Paintings from Carr’s last decade reveal her growing anxiety about the environmental impact of industry on British Columbia’s landscape. Her work from this time reflected her growing concern over industrial logging, its ecological effects and its encroachment on the lives of indigenous people“ (Wikipedia).


Tagungsbericht: Kollektive Weiden und Wälder

Auf der geschichtswissenschaftlichen Plattform h/soz/kult ist ein Bericht über die Tagung „Kollektive Weiden und Wälder – Ökonomie, Partizipation, Nachhaltigkeit“ von Ines Brändli erschienen. Neben Vortragenden aus Frankreich, Italien, Slowenien und der Schweiz war auch eine Österreicherin vertreten:

Einen Einblick in die Kollektivbewirtschaftung des Waldes im österreichischen Kärnten bot die Historikerin und diplomierte Forstwirtin ELISABETH JOHANN (St. Margareten) mit ihrem Vortrag zum gemeinschaftlichen Eigentum im Gebiet des heutigen Nationalparks Hohe Tauern.

Die Beiträge sollen nächstes Jahr im Jahrbuch „Histoire des Alpes – Storia delle Alpi – Geschichte der Alpen“ erscheinen.


Georgia O’Keeffe malt Herbstlaub

Georgia O’Keeffe (1887-1986) ist eine der bekanntesten Malerinnen des 20. Jahrhunderts. O’Keeffe ist unter anderem für ihre reduzierten und farbenprächtigen Bilder von Blumen, Blättern und Steinen bekannt. Sie durchlief aber in ihrem langen Leben aber verschiedene künstlerische Phasen. Im Kunstforum Wien fand letztes Jahr eine große Ausstellung statt. Im Text zur Ausstellung heißt es: „O’Keeffes monumentale Blumenbilder der 1920er-Jahre, die, unter dem Einfluss der Schriften Sigmund Freuds, stark sexualisierende Interpretationen hervorriefen, zählen zu ihren populärsten Sujets. Formale Spezifika wie der scharfe Fokus, die Ausschnitthaftigkeit und das Close-up führen O’Keeffes innovative Übersetzung fotografischer Strategien in die Malerei vor Augen“.


James Brunt: flüchtige Kunst in der Natur

Der britische Künstler James Brunt studierte bildende Kunst an der Byam Shaw School of Art in London. Seine Kunstwerke sind der Land Art bzw. Naturkunst zuzuordnen und oft nur wenige Stunden sichtbar. Er verwendet Steine, Blätter, Zweige und arrangiert sie zu Mustern und Formen, zum Beispiel zu Spiralen. Dabei folgt er einem selbst definierten Ethikkodex, zum Beispiel entfernt er Steine nie aus ihrer Umgebung, gestaltet seine Kunstwerke in Wäldern ausschließlich auf bestehenden Wegen und fragt in sensiblen Gebieten vorher um Erlaubnis.

Mehr im Artikel „Artist Arranges Natural Objects Into Ephemeral Patterns and Designs“ und auf James Brunts Website.


Christina Bothwell: Reh in Keramik und Gussglas

„Nature is the main source of inspiration for my work, and helps me to maintain an awareness of the interconnectedness that exists among all of life“. Die US-amerikanische Künstlerin Christina Bothwell studierte Malerei an der Pennsylvania Academy of the Fine Arts und wandte sich dann der Keramik und dem Gussglas zu. In ihrer Arbeit kombiniert sie diese beiden Materialien. Mehr zur Künstlerin auf christinabothwell.com.

Rehe und einzelne Elemente wie Geweihe kommen in ihrem Werk immer wieder vor. Hier ein Beispiel:


 

Wolfgang Jirikowski in Pension

Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Jirikowski leitete seit 2006 die Forstliche Ausbildungsstätte (FAST) Ort. Mit der Eröffnung des neuen Forstlichen Forschungs- und Bildungszentrums in Traunkirchen am letzten Wochenende findet seine Karriere einen krönenden Abschluss, er wird mit Ende September in Pension gehen. Auf der Website des Waldverbandes lässt Florian Hader Jirikowskis Leben und Werk Revue passieren.

Mein persönlicher Bezug zu Wolfgang Jirikowski ist u.a. der Forst+Kultur-Lehrgang, den ich in Ort absolviert habe. Der liebe Herr Direktor hat nicht nur diesen Lehrgang an seiner Ausbildungsstätte ermöglicht und begleitet, sondern uns auch in spannenden Vorträgen forstliche Geräte und deren Entwicklung nähergebracht.


Forstgeschichtliche Tagung „European forests – our cultural heritage“ in Kärnten

Die internationale forstgeschichtliche Tagung „European forests – our cultural heritage“ findet von 4. bis 7. Dezember 2018 in St. Georgen am Längsee (Kärnten) statt. Ziel der Tagung:

The aim of the European Cultural Heritage Year 2018 is to share our common cultural heritage and its potential for identification, participation on and development of European cultural, social, economic and other values. The cultural heritage of the forests and in the forests tackles the multiple interrelationships between forests, forest management and the human society, which have changed in the course of history. It is not only confined to demonstrating historical developments, but contributes also considerably to a better understanding of the present situation of forests and the development of the cultural landscape, and provides valuable input for forest conservation and management policies.

The EU-Action Plan 2006 acknowledged cultural landscapes, traditional practise and other cultural values of forests as some of the ways of achieving local and regional sustainable development. Landscape values are also included in the new Common Agricultural Policy (CAP) and the European Landscape Convention. Cultural landscapes are considered to be a development factor. These potentials have only partly been investigated till now.

However, there is an increasing demand by forest owners related to new markets and additional income beside forestry and an increasing interest of tourisms in the utilization of forest areas and beautiful sceneries. At present numerous initiatives, collections and museums exist; however, they are often not adequately linked. Thus, a new approach for co-operation of forest and woodland history including traditional knowledge and forest and tourist enterprises is aimed and an increasing need to deepen the knowledge related to the forest related cultural heritage should be fulfilled.

Von Lettland bis Spanien

Einige Beiträge, die ich besonders interessant finde (eigentlich könnte ich jeden einzelnen anführen):

  • Mārtiņš Lūkins: Ancient forest mapping and recognition: case study from Latvia
  • Tanya Bakhmetyeva: Seeing the Nation for the Trees: The Cultural Heritage of Białowieża Forest and the Debate on Polish National Identity
  • Triin Kusmin: Presenting and Interpreting Cultural Heritage in the Visitor Management of Estonian State Forest
  • Péter Szabó: Non-timber Forest Uses in Preindustrial Central Europe
  • Elisabeth Johann: The forgotten heritage: Sustainable Forest Management and the Safeguarding of the Forestry-related Tangible and Intangible Cultural Heritage in Austria
  • D. Rus: The relation with the forest in Transylvania reflected in local fairytales and legends
  • Jiří Woitsch: The inventory of memorable trees in the Czech Republic: A potential tool for identification and safeguarding of traditional knowledge and heritage related to trees and forest management
  • Catharina de Pater: Articulation of Spiritual Values in Forest Management Plans
  • Marianne Schreck: Forest in Austria (1930-19947) – from the crisis until the reestablishment of the Federal Department of forest. Visual correspondences between the regimes, forestry institutions and cultural phenomenons
  • Nina Luostarinen: Put yourself in the picture – Art interpretations as a Tool for Deeper Connection to the Forest

Das vollständige Programm und Informationen zur Anmeldung finden Sie auf der Website des Fachausschusses Forstgeschichte im Österreichischen Forstverein.


 

Sarah Bays: Ruhender Fuchs

„From a small etching press on a tea trolley in the corner of my dining room“ kommen die Radierungen, Linolschnitte, Monotypien und Gemälde der britischen Graphikerin Sarah Bays. Mehr über die Künstlerin und ihre Arbeit auf sarahbays.co.uk. Zahlreiche ihrer Werke zeigen Wildtiere – hier zum Beispiel der „resting fox“: