Forst & Kultur

Michaelmas Journey von Mary Anne Aytoun-Ellis

„My work has always been concerned with memory and imagination. I try to find and understand what lies behind the surface of a person or a place and to discover the unknown there, whatever it may be“, so beschreibt die britische Künstlerin ihre Arbeit. Aytoun-Ellis wird von der Portland Gallery in London vertreten.

Michaelmas, das Fest des Erzengels Michael (bzw. je nach Konfession auch aller Erzengel), wird übrigens am 29. September begangen. Der Michaelistag war traditionell ein Termin für Pacht- und Zinszahlungen und für die Verdingung von Mägden und Knechten.


Forst- oder Wald- item: Jagd- und Weidewercksordnung

Weidewercksordnung 1644Ein Blick in die Vergangenheit: die sächsische „Forst- oder Wald- item: Jagt- und Weidewercks-Ordnung“ aus dem Jahr 1644 wurde von der Universitätsbibliothek Heidelberg digitalisiert. Sie ist Teil der Fürstlichen Sächsischen Landes-Ordnung.

Ernst Sachsen-Gotha-Altenburg erließ diese Ordnung, „damit die Gehölze den lieben Nachkommen zum besten in pfleglichem Stande unverwüstet erhalten / und also gebraucht und genossen / daß hiernechst an Bau- und Brenn-Holtz / auch anderen Holtz-Materialien kein Mangel entstehen / sondern durch gebührliche Hegung ein immerwärender Vorrath und Zuwuchs gestifftet / dabey auch unserer Cammer ein stetiger Nutz und Zugang durch die gewöhnliche jährliche Waldmieth verschaffet / nichts weniger auch denenjenigen / die ihre gewisse Holtz-Berechtigkeit auf unseren Wäldern herbracht haben / solche auch ins künfftig erhalten und abgezeichet : Ingleichen auch das hohe und niedere Weidewerck also getrieben / daß daraus keine Verödung der Wild-Bahn und gäntzliche Ausrottung des Wildpreths verursacht / vielmehr aber solches Uns und jederman der dessen befugt / zu Nutz erhalten / und pfleglichen genossen werden möchte“. Eine frühe Festschreibung des Nachhaltigkeitsgedanken.

Gliederung

  • Von Grentzen
  • Von Jagten
  • Von Verlassung des Holtzes: Von der Waldmieth bey Verlassung des Holtzes / Was in Verlassung bey jeder Gattung Holtz in acht zu nehmen / Von Maß und Messung so bey der Verlassung des Holtzes zu brauchen / Sonderbahre Verbot der Beampten die sie vor ihre Person bey Verlassung des Holtzes in acht nehmen sollen
  • Von Hegung des Holtzes
  • Von Drifften
  • Von Köhlern
  • Von Hartzscharren
  • Von Glaßmachern und Aschenbrennern
  • Von Fuhrleuten
  • Gemeine Verbot
  • Wald-Berichte
  • Von der Holtz-Berechtigkeit
  • Beschluß- und General-Punct
  • Jagd- und Weidewercks-Mandat
  • Maaß-Täfelein

1656 folgte die „Wolffs-Ordnung“, die regelt, „welcher gestalt sich die Unterthanen … bey der jüngsten Zusammenkunfft des Landschaffts Ausschuß beschlossenen allgemeinen Verfolgung der schädlichen Raub-Thiere der Wölffe jedesmals mit der Folge zu verhalten“ haben.


Waldhütte in der Zündholzschachtel

Hinter dem „Korridor des Staunens“ im Weltmuseum Wien verbirgt sich ein Schaudepot, in dem verschiedenste verwandte Objekte ohne nähere Erläuterung gezeigt werden. Besonders interessant habe ich diese Miniaturen in Streichholzschachteln gefunden – eine großartige Möglichkeit, Objekte, die zu groß fürs Museum sind, zu dokumentieren.

Der Anspruch ethnografischer Museen lag darin, die Gesamtheit der materiellen Kultur einer Gesellschaft abzubilden. Manche Objekte konnten auf Grund ihrer Größe nur in einem begrenzten Ausmaß gesammelt werden. So begann man bereits im 19. Jahrhundert stattdessen Modelle anfertigen zu lassen um damit diese Sammlungslücken schließen zu können.

Hier ein Bild einer miniaturisierten Waldhütte auf Sumatra.


Besuch am Jüdischen Friedhof Währing

Der Jüdische Friedhof Währing ist der zweitälteste jüdische Friedhof Wiens und war zwischen 1784 und 1879 in Betrieb. Heute ist das Areal in schlechtem Zustand. Viele Grabsteine sind locker oder bereits umgefallen, die Inschriften sind teilweise nur mehr schwer oder gar nicht lesbar. Die Bäume in der parkähnlichen Anlage stellen bei starkem Wind eine Gefahr dar, auch aufgrund des Eschentriebsterbens. Ein Teil des Friedhofs wird mittlerweile vorm Zuwachsen geschützt, Grabsteine werden stabilisiert und konserviert. Das ist einerseits freiwilligen Arbeiten und andererseits der Unterstützung durch die Stadt Wien und den Bund zu verdanken. HelferInnen und PatInnen werden laufend gesucht.

Einmal im Monat besteht aber die Möglichkeit, nach Unterzeichnung eines Haftungsverzichts den Friedhof zu besichtigen. Das habe ich heute gemacht. Hier ein paar Eindrücke mit Schwerpunkt auf den Bäumen in der „parkähnlichen Anlage“ .

Termine für Führungen und Freiwilligenarbeit.


Wien Museum sucht Holzrestaurator_in

Das WIEN MUSEUM ist ein urbanes Universalmuseum mit einem breiten Spektrum von Sammlungen und Ausstellungen. Mit seiner generalistischen Ausrichtung und seinem interdisziplinären Potential hat das Wien Museum eine einzigartige Position in der Wiener Museumslandschaft.

Für die Abteilung Restaurierung/Objektbetreuung wollen wir zum ehestmöglichen Zeitpunkt die Position HolzrestauratorIn neu besetzen.

Aufgabengebiet

  • Konservierung und Restaurierung von Objekten aus Holz. Das Spektrum reicht von Möbeln über Holzobjekte mit Fassung, historische Wandvertäfelungen und Zierrahmen mit polychromer Fassung und Vergoldung
  • Konservatorische und restauratorische Betreuung der Möbelsammlung, der historischen Interieurs, der Sammlung von Musikinstrumenten aus Holz, von Objekten mit Materialkombination Holz und des Zierrahmenbestandes
  • Konservatorische und restauratorische Betreuung der Objekte für interne Ausstellungen und für den Leihverkehr, Anfertigung von Zustandsprotokollen
  • Erstellen von Fachexpertisen und Entwickeln von Restaurierungskonzepten für interne Restaurierungen sowie zur Anbotseinholung für Restaurierungsausschreibungen
  • Fachliche Prüfung und Abnahme externer Restaurierungsleistungen
  • Bestandserfassung, Schadensbefundung und Dokumentation aller Maßnahmen in der museumseigenen Datenbank

Profil

  • Abgeschlossenes Fachhochschul- oder Universitätsstudium im Fachbereich Konservierung und Restaurierung von Objekten aus Holz und polychromen Fassungen
  • Kenntnis und praktische Erfahrung im Bereich historische Holzverbindungen und technische Konstruktionen
  • Theoretisches und praktisches Wissen über die unterschiedlichen historischen Techniken der Vergoldung und der Fassung von Zierrahmen
  • Mehrjährige Berufserfahrung im Bereich der musealen Konservierung und Restaurierung idealerweise in einem Museum oder auch freiberuflich
  • Befähigungsnachweis zur Nutzung von Holzbearbeitungsmaschinen
  • Erfahrung in der Arbeit mit Datenbanken (Museum Plus)
  • EDV-Anwenderkenntnisse: Office (Word, Excel, Access)
  • Genauigkeit und hervorragende Arbeitsplatzorganisation
  • Einsatzbereitschaft, Kommunikations- und Teamfähigkeit

Zeit und Geld

Anstellungsverhältnis im Umfang von 37,5 Wochenstunden. Das kollektivvertragliche Mindestgehalt beträgt € 2909,64 brutto. Eine Überzahlung ist je nach Qualifikation und Berufserfahrung selbstverständlich möglich.

Bitte richten Sie Ihre aussagekräftige Bewerbung inklusive relevanter Zeugnisse bis spätestens 15. April 2019 an die Personalstelle des WIEN MUSEUMS: Personalstelle – Frau Daniela Axmann, Karlsplatz 8, 1040 Wien, personal(at)wienmuseum.at. Bewerbung bis 15. April 2019.

Hinweis aus KUPF Kulturjobs, Link zur Ausschreibung auf der Seite des Wien Museums.


Britta Teckentrup: The memory tree

Cover von "The memory tree" von Britta Teckentrup. Blauer Untergrund, in der Mitte Fuchs und Baum.Die deutsche Illustratorin und Autorin Britta Teckentrup hat über hundert Bilderbücher veröffentlicht. Eines davon habe ich vor kurzem gekauft: The memory tree (auf Deutsch „Der Baum der Erinnerung„, ArsEdition 2013).

Das Buch ist reizend und hat mich sehr gerührt. Beim Lesen hatte ich Tränen in den Augen. Es thematisiert den Verlust eines geliebten Wesens, die widersprüchlichen Emotionen, die das hervorruft, und die Bedeutung des gemeinsamen Trauerns und Sicherinnerns. Besonders geeignet für Kinder, die gerade ein Familienmitglied oder ein Haustier verloren haben.

Fox had lived a long and happy life, but now he was tired. Very slowly, Fox made his way to his favourite spot in the clearing. He looked at his beloved forest one last time and lay down. Fox closed his eyes, took a deep breath and feel asleep forever.

Die anderen Tiere sind sehr traurig. Dann teilen sie ihre lieben Erinnerungen an Fox, und da passiert etwas Schönes…

Weitere Bücher von Teckentrup mit Baum- oder Waldbezug sind u.a. „Mein kleines Eichhörnchen„, „Mein kleiner Fuchs„, „Meine kleine Eule“ und „Der Baum der Jahreszeiten„.


Für’s Jagdschloss. Organ der Jagdherren

ANNO ist das Portal für digitalisierte historische Zeitschriften der Österreichischen Nationalbibliothek. Dort sind die Ausgaben 1902 bis 1906 der Zeitschrift „Für’s Jagdschloss. Organ der Jagdherren Oesterreich-Ungarns“ abrufbar. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur war Camillo Belohlawek-Morgan. Belohlawek-Morgan war seit seiner Jugend als Journalist und Schriftsteller tätig und publizierte auch unter den Pseudonymen „Camillus von der Donau“ und René de la Pré. Seine Werke wie „Propst Waidfroh“ und „Das Waldveilchen“ sind heutzutage praktisch unbekannt. Nach eigenen Angaben war er auch Ehren-Präsident des „Klub der Waidmänner“ in Wien. Mehr zu ihm findet sich in „Die Villen vom Attersee. Wenn Häuser Geschichten erzählen“ von Marie-Theres Arnbom (Amalthea 2018) – er besaß eine Zeitlang nämlich den nach ihm benannten „Morganhof“ in der Gemeinde Attersee.

Zurück zur Zeitschrift: Besonders interessant bei historischen Zeitschriften finde ich die Inserate – hier drei Beispiele: die steirische Tier-Ausstopferei „Zum Hirschkäfer“, die billige, dauerhafte und naturgetreue Arbeit zusicherte; die „älteste, weltberühmte Raubthierfallen-Fabrik“ R. Weber in Preußisch-Schlesien und die Chromolithographische Kunstanstalt Theodor Böhms, die sich als Herstellerin „künstlerischer Ansichts-Postkarten mit Abbildungen herrschaftlicher Jagdschlösser, Forsthäuser und Jagdhütten“ anbot.


Erle liefert Farbe fürs Feengewand

Zur Erle (Alnus glutinosa) hält die volkstümliche Überlieferung Großbritanniens eine schöne Geschichte bereit: Man sagt, dass Feen ihr Gewand mit der grünen Farbe der (weiblichen) Erlenblüten färben.


Heather Jansch: Pferde aus Treibholz

Die britische Bildhauerin Heather Jansch gestaltet Skulpturen, vor allem Pferde, aus Treibholz. Ihr Material findet sie an den Küsten und Flussmündungen von Devon, manches bringen ihr Leute aus ihrer Umgebung. Auf ihrer Website erinnert sie sich an ihr Ringen um ihre künstlerische Stimme:

Then out of the blue the answer came in on the tide. Driftwood. It was like a thunderbolt,  I had never seen any driftwood sculpture before.  It had a power and authentic quality that made it something extraordinary, and it was mine alone. I knew I was finally ready to show my work to the world.

Pferde spielen in Janschs Leben eine besondere Rolle – vor ihrer Entdeckung von Treibholz als Werkstoff verdiente sie ihr Geld mit Zeichnungen und Gemälden von Pferden. Jansch fertigt sowohl überlebensgroße, lebensgroße als auch kleinere Skulpturen an. Da Holz für den Außenbereich vor allem im Winter nicht dauerhaft genug ist, fertigt sie auch Abgüsse ihrer Holzskulpturen aus Bronze an, ein sehr aufwendiges Verfahren: Die originale Skulptur wird genauestens photographiert und anschließend zerlegt. Die einzelnen Teile werden wieder photographiert und numeriert. Dann werden Gussformen angefertigt – je nach Objekt meistens um die 80 Stück, aber es waren auch schon 139. Die gegossenen Teile werden dann – das Vorbild immer im Auge – zusammengebaut. Weitere Schritte.


Holz im Kunsthistorischen Museum, Teil 2: Seychellennuss-Kanne

Schon im zweiten Beitrag der Reihe „Holz im Kunsthistorischen Museum“ muss ich den Begriff „Holz“ etwas ausdehnen – diese Kanne, ein Hauptwerk der Prager Goldschmiedekunst, ist nämlich nicht aus Holz, sondern aus der Frucht der Seychellenpalme gefertigt.

Die Seychellenpalme, auch Seychellennuss, kommt nur auf den Seychellen vor, und auch dort nur auf zwei der Inseln. Die Frucht der Seychellenpalme enthält die größten Samen des Pflanzenreichs: zwischen 10 und 25 Kilo wiegt ein einziger Samen. Die Frucht ist bis zu 50 Zentimeter lang, sie enthält meistens einen, selten bis zu drei Samen und braucht sieben Jahre bis zur Reife. Der Bestand ist stark gefährdet, es besteht ein sehr hohes Risiko des Aussterbens in der Natur in unmittelbarer Zukunft – dass der Verkauf der Nüsse an TouristInnen eine bedeutende Einnahmequelle ist, spielt dabei sicher eine Rolle.

Das wundersame Objekt aus ungewöhnlichem Material ist über vierhundert Jahre alt: Es wurde im Jahr 1602 in Prag angefertigt. Die Fassung dieser Kanne stammt vom Hofgoldschmied Anton Schweinberger, die Schnitzerei wird dem Hofschnitzer Nikolaus Pfaff zugeschrieben.

„Die Kanne ist ein Hauptwerk der Prager Goldschmiedekunst der Zeit Kaiser Rudolfs II. Schweinberger, der seit 1587 am Prager Hof angestellt war, ging über die konventionelle Aufgabe, eine seltene Naturalie zu fassen, weit hinaus. Die Nuss wurde damals als Schwemmgut bei den Malediven gefunden und galt als Frucht des Meeres. Das erklärt die Motive aus der Welt der Seewesen, die das Werk durchziehen“ (Beschreibung in der Europeana). Der Fundort erklärt auch den botanischen Namen des Baumes, nämlich „Lodoicea maldivica“. Der französische Name ist auch schön: „Coco de mer“, Meereskokosnuss.

Angabe: Kunsthistorisches Museum Wien, Seychellennuss-Kanne. Inventarnummer „Kunstkammer, 6872“, Link zur Beschreibung in der KHM-Objektdatenbank, Link zur Beschreibung in der Europeana.

Bisher erschienene Beiträge

1: Betnuss