Wald

Überbegriff

Rüsseltiere im Wald: der Waldelefant

Eigentlich habe ich etwas ganz anderes in der Wikipedia gesucht, aber wie das so ist, bin ich von einem zum anderen gehüpft, landete bei „Rüsseltiere“ und kam von dort zum Europäischen Waldelefanten, von dessen Existenz ich zuvor nichts gewusst hatte. Die Chance, einem solchen beim nächsten Waldspaziergang zu begegnen, ist allerdings sehr gering, weil besagter Waldelefant schon vor tausenden von Jahren ausgestorben ist (wie das Waldnashorn, übrigens).

Der erste wissenschaftlich beschriebene Fund eines Europäischen Waldelefanten stammt aus den Travertinbrüchen von Tonna im damaligen Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg. Er wurde 1695 entdeckt und im darauf folgenden Jahr vom Historiographen Wilhelm Ernst Tentzel als Rest eines Elefanten vorgestellt. (…) Der Europäische Waldelefant wurde im Jahr 1847 durch die beiden Engländer Hugh Falconer und Proby Thomas Cautley wissenschaftlich erstbeschrieben. Sie vergaben dabei den Namen Elephas antiquus. Grundlage für die Benennung waren überwiegend Zahnfunde aus Ostengland (Essex, Norfolk), welche die beiden Paläontologen mit von ihnen auf ausgedehnten Reisen nach Südasien (Indien, Nepal) gesammelten Fossilien verglichen.

Quelle des Zitats.

Waldpflege an Bahnlinien

In Deutschland und Österreich gibt es heute wieder einige gesperrte Bahnlinien, weil der Sturm Bäume umgeknickt hat. Wie kann man dem mit gezielter Waldpflege vorbeugen?

Mit einem speziellen Waldpflegekonzept will der Forstdienst der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) die Anzahl solcher Störungen nachhaltig verringern.

Der Sicherheitsstreifen entlang der Gleise ist jener Bereich, „aus dem durch Bäume oder Gehölzteile Gefahren für den Bahnbetrieb und die Bahnanlagen entstehen können“. Er besteht aus vier Bereichen – einer gehölzfreien Zone (intensive Unterhaltzone), einer Niederhaltezone, einer stabilen Waldzone und einer Kontrollzone. Je nach Bedeutung der jeweiligen Strecke gestaltet sich der Sicherheitsstreifen anders. Das Waldpflegekonzept sieht vor, dass die Stabilität des Baumbestandes individuell beurteilt wird und dass die Bäume rechtzeitig und regelmäßig gepflegt werden. Weiterlesen auf waldwissen.net.

Metropolitan Transportation Authority of the State of New York: Trees down south of MNR's Cold Springs station (2012), CC-BY Metropolitan Transportation Authority of the State of New York: Trees down south of MNR’s Cold Springs station (2012), CC-BY

Der Hinweis auf das Thema und die waldwissen-Seite stammt von Jörg Kachelmann auf Twitter. Die daraus folgende Diskussion ist ebenfalls interessant, zum Beispiel der Hinweis von Torsten Jerzembeck, dass bis 1977 in der BRD Brandschutzstreifen freigehalten wurden, die wegen der Dampfloks nötig waren, oder ein altes Plakat der Deutschen Bahn mit dem Slogan „Alle reden vom Wetter. Wir nicht“, das Rainer Kresken gepostet hat.


Jedes Jahr rund 1.500 Verletzte bei Waldarbeiten

Mehr als 20 Menschen sterben jedes Jahr bei Wald- und Forstarbeiten. Alleine bei privat durchgeführten Waldarbeiten werden jährlich mehr als 1.500 Menschen so schwer verletzt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen, so die Zahlen des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV).

Mann in Schutzkleidung schneidet mit einer Motorsäge in einen Baum.
Praxislehrer beim Waldwirtschaftskurs an der Forstlichen Ausbildungsstätte Pichl. Monika Bargmann, CC-BY

Es gebe einen deutlichen Unterschied zwischen Waldarbeiten im privaten und im gewerblichen Bereich, zum Beispiel was das konsequente Tragen eines Schutzhelmes oder den professionellen Umgang mit der Motorsäge betrifft. Daher sind die Unfälle im privaten Bereich doppelt so hoch. Es ist wichtig, auf Ausrüstung und Ausbildung zu achten.

An den Forstlichen Ausbildungsstätten Ort, Ossiach und Pichl kann man sich das nötige Know-How aneignen. „Moderne Schutzausrüstung, gutes Werkzeug sowie eine individuelle Schulung durch erfahrenes Fachpersonal sind zentrale Voraussetzungen für eine sichere und effiziente Waldarbeit“, sagt Wolfgang Jirikowski, Direktor der Forstlichen Ausbildungsstätte Ort.

Weiterlesen in den Salzburger Nachrichten und in der Presseaussendung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit vom 26. Oktober 2017.


Hackathon #NatureHack17 zum Thema „Was kann der Wald?“

Was kann der Wald? Welche innovativen Produkte und Services bieten der Wald und die angrenzende Umgebung?

Das sind die zentralen Fragen des ersten Hackathon des Netzwerks Zukunftsraum Land, #NatureHack17. „Der Hackathon wendet sich an alle jungen Leute, die gemeinsam kreative Lösungen für aktuelle Herausforderungen rund um den österreichischen Wald entwickeln möchten. Die grüne Lunge Österreichs birgt hohes Potenzial für Innovationen, welche für Pflanzen, Tiere und Menschen von großem Nutzen sein können“. 12 Stunden – 3 Teams – 1 Challenge: 20 kreative Köpfe im Alter zwischen 17 und 27 Jahren aus ganz Österreich aus möglichst verschiedenen Fachgebieten erhalten die Chance, innovative Lösungskonzepte strukturiert in drei interdisziplinären Teams zu entwickeln und mithilfe von Coaches sowie Peer-Reviews zu verfeinern. Die Ideen werden im Rahmen der Abendveranstaltung vor einer renommierten Fachjury präsentiert, die besten Ideen werden mit attraktiven Geldpreisen belohnt.

Der Hackathon findet am Samstag, dem 18. November, von 8 bis 21 Uhr bei den Österreichischen Bundesforsten in Purkersdorf statt.

Informationen zur Veranstaltung und Anmeldung (bis 31. Oktober 2017) auf ideenfuersland.at.


Seminar „Im Wald sind viele Worte – Waldpädagogische Textwerkstatt für Kinder und Jugendliche“

Seminar „Im Wald sind viele Worte – Waldpädagogische Textwerkstatt für Kinder und Jugendliche“

Mit dem Wald lernen Kinder und Jugendliche einen neuen Lebens- und Erfahrungsraum kennen. Die schriftliche Schilderung des Erlebten ist sinnstiftend für das einzelne Kind und gemeinschaftsbildend, wenn in einer Gruppe ein Text gemeinsam erarbeitet wird. Dabei entwickelt sich vor allem auch eines: der emotionale Bezug der Kinder und Jugendlichen zum Wald. In diesem waldpädagogischen Seminar wollen wir unter besonderer Berücksichtigung des Lebens- und Erfahrungsraums Wald Möglichkeiten kennenlernen, mit Kindern Wörter zu finden, Ideen zu haben und Geschichten zu schreiben.

Programm

9.00 bis 9.10 Uhr Begrüßung. DI Martin Krondorfer, Forstliche Ausbildungsstätte Pichl
9.10 bis 12.30 Uhr Impulsreferate:

Ein kurzer Überblick über die Grundlagen der Sprach- und Schreibförderung bei Kindern
Mögliche Inhalte und Themen zum Wortefinden, Dichten und Schreiben mit Kindern im Wald.
Kreative Dicht-, Schreib- und Arbeitstechniken im waldpädagogischen Umfeld.

13.30 bis 17.30 Uhr Praxis im Forstgut Pichl:

Erproben von verschiedenen für waldpädagogische Führungen geeignete Wort- Schreib- und Zeichenübungen.
Im Austausch mit den anderen Kursteilnehmer/innen konkrete, für die eigenen Interessen geeignete Spiel- und Schreibsituationen entwickeln.

ReferentInnen

Dr. Susanna Harringer, Lektorin und Übersetzerin
Wolf Peterson, Verlag Guthmann- Peterson, Wien
Julia Pfeiffer, BA, Skandinavistin und Übersetzerin von Kinderbüchern

Organisatorisches:

Seminarbeitrag*: € 60,00 (gefördert), € 100,00 (ungefördert).
Verpflegung: € 16,30 (inkl. Getränke)
Termin: Freitag, 4. August 2017
Ort: Forstliche Ausbildungsstätte Pichl, St. Barbara im Mürztal
Dieses Seminar ist auch Bestandteil der Waldpädagogikausbildung und wird als Modul D (10 Stunden) anerkannt.



Crazy Ant Lady

Bilder vom Ameisenheger-Kurs: Ameisennester, Wald, BäumeAm Freitag habe ich das erste Modul der Ausbildung zur Waldameisenhegerin an der Forstlichen Ausbildungsstätte Pichl besucht 🙂 Ende April schließe ich den Lehrgang mit dem zweiten Modul ab und verfüge damit über den „Befähigungsnachweis zur Rettungsumsiedelung von Waldameisen“.

Worum geht es in dieser Ausbildung? „Waldameisenvölker sind ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems Wald und bilden ein sehr komplexes Gefüge. In der Steiermark stehen alle hügelbauenden Waldameisen unter Schutz, eine Zerstörung oder Beschädigung von Ameisenvölkern, z.B. im Zuge von Straßenbauten, ist verboten. Umsiedelungen werden daher immer wieder nötig. Die Ausbildung zum Ameisenheger befähigt zur legalen Durchführung dieser Umsiedelungsmaßnahmen“.

Die Entstehung des Kurses ist irgendwie typisch österreichisch: Der Initiator des Kurses stellte einmal den Antrag bei der steiermärkischen Landesregierung, im Zuge des Baus einer Forststraße einen Ameisenhaufen verlegen zu dürfen. Der Bescheid war aber negativ, weil er die nötigen Kenntnisse dafür nicht nachweisen konnte. Wie er diese Kenntnisse erfolgreich nachweisen sollte, stand aber nicht dabei – es gab ja keinerlei Ausbildung… Naja, und nun gibt es eine mit mittlerweile 71 Absolvent_innen!

Kursinhalte
  • Biologie, Ökologie und Bestimmung von Waldameisen
  • Kartierung und Schutz
  • rechtliche Grundlagen
  • praktische Anleitung in Form einer Rettungsumsiedelung in der Praxis

Knarren windgebeugter Äste. Die Geräusche des Waldes

Der Oberst blieb still sitzen und wartete auf den neuen Tag. Zum ersten Male in seinem Leben lernte er die Geräusche des Waldes kennen. Fünfzehn verschiedene Geräusche unterschied er in jener Nacht. Er zählte sie, eines nach dem anderen:

  1. Ab und zu unbestimmtes, dumpfes Grollen, das aus dem Innern der Erde zu kommen schien; es war, als kündigte sich ein Erdbeben an.
  2. Blätterrauschen.
  3. Knarren windgebeugter Äste.
  4. Rascheln trockenen Laubes am Boden.
  5. Geräusch fallender trockener Zweige, Blätter und Tannenzapfen.
  6. Ganz in der Ferne das Rauschen eines Baches oder Stromes.
  7. Geräusch wie von einem großen Vogel, der ab und zu mit lärmendem Flügelschlag auffliegt (vielleicht ein Auerhahn).
  8. Geräusche von Säugetieren (Eichhörnchen, Marder, Füchse oder Hasen), die durch den Wald ziehen.
  9. Klopfen von Insekten, die die Baumstämme anbohren oder auf ihnen entlanglaufen.
  10. In langen Zwischenräumen das Summen einer großen Mücke.
  11. Ein Rascheln, das wahrscheinlich von einer nächtlich herumkriechenden Schlange stammt.
  12. Der Ruf einer Eule.
  13. Das leise Lied der Grillen.
  14. In der Ferne Geheul und Klagen eines unbekannten Tieres, das wahrscheinlich von Eulen oder Wölfen angegriffen wird.
  15. Ganz und gar geheimnisvolle Quiek- und Kreischlaute.

Aber zwei- oder dreimal in jener Nacht wurde es auch ganz still; das feierliche Schweigen der uralten Wälder trat ein, eine Stille, sie sich mit keiner anderen auf der ganzen Welt vergleichen läßt und die nur sehr wenige Menschen je kennen gelernt haben.

buzzati-geheimnis-alten-waldes Quelle: Dino Buzzati: Das Geheimnis des alten Waldes. Roman. Berlin / Wien / Leipzig: Paul Zsolnay Verlag 1948, S. 106-107. Übersetzung aus dem Italienischen von Antonio Luigi Erné

Weitere Ausgaben (Auswahl):

  • Originalausgabe: Il segreto del bosco vecchio (Milano: Fratelli Treves 1935).
  • deutsche Ausgaben in der Übersetzung von Bettina Kienlechner: Thienemann 1986; Weitbrecht 1997; Fischer Taschenbuch 1989 / 1999
  • weitere italienische Ausgaben: Garzanti 1961 / 1970 / 1977 (in einem Band mit „Bàrnabo delle montagne“); Mondadori 1993 / 2002

Zwischen Forstwirtschaft und Spiritualität

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Ich habe gestern den Krimi „Da draußen im Wald“ von Ernest Zederbauer fertiggelesen. Der Inhalt: „Der Förster ist tot! Erschossen mit einer Schrotflinte, aufgefunden im Nonnenloch im Finsteren Graben. Im Waldviertler Dorf schlagen die Neuigkeiten hohe Wellen, vermeintliche Verdächtige sind schnell gefunden. Dorfpolizist Raffl und Kripo-Kollege Ebert haben alle Hände voll zu tun und warten auf einen entscheidenden Tipp aus der Bevölkerung. Währenddessen keimt in der jungen Witwe ein verhängnisvoller Verdacht und die perfekte Fassade ihres bisherigen Lebens beginnt zu bröckeln“. Mir hat das Buch recht gut gefallen, das Lokalkolorit ist durchaus geglückt (Regionalkrimis sind ja anscheinend sehr en vogue im Moment), und wie oft liest man schon einen Krimi, in dem die Wörter „Forstadjunkt“, „Holzlagerplatz“ und „Forstverwaltung“ vorkommen? 😉

In dem Buch gibt es eine wunderbare Stelle, die die verschiedenen Sichtweisen auf den Wald besonders gut zusammenfasst: Es sind Gedanken, die der Frau des Försters durch den Kopf gehen, als ihr Mann nicht wie erwartet nach Hause kommt:

Für ihn war der Wald eine Arbeitsstätte, die er zu verwalten, zu hegen und zu pflegen hatte. In der es um die Holzwirtschaft ging, um Schlägerung und Aufforstung, um Windbruch und Käferbäume, um die Anlage von Fahrwegen und die Lagerung sowie den Abtransport der Stämme. Dafür war er verantwortlich, seinem Arbeitgeber, der Herrschaft, Rechenschaft schuldig. (…) Für sie war der Wald Ausdruck ihrer Spiritualität, die auf der Verehrung der Natur und ihrem Verständnis dafür, in Einklang mit ihren Zyklen und Bedürfnissen zu leben, beruhte. Für sie war ein Baum ein lebendes Wesen, Teil einer allumfassenden Harmonie und nichts, das man in Festmetern, Gewinn und Verlust berechnete. Sie sah in der Natur einen wesentlichen Bestandteil ihrer Seelenebene, die sie mit all ihren Sinnen wahrnahm.

Quelle: Ernest Zederbauer: Da draußen im Wald. Ein Waldviertel-Krimi. Styria 2014, S. 10