Der Wald nur harrt alleine….

Es herrscht ein tiefes Schweigen
Im dunkeln Waldesschooß –
Die letzten Blümlein neigen
Ihr Haupt ins graue Moos.

Verklungen sind die Psalter,
Die sonst erklangen hell –
Verendet hat der Falter
Im müden Felsenquell.

Der Wald nur harrt alleine
Geruhig aus und kühn,
Und wie im Frühlingsscheine
Verbleibt sein Scheitel grün.

Er sieht sein Glück verderben,
Das freundlich ihn umspann, –
Und kann doch selbst nicht sterben,
Der alte, finstre Tann!

Das Gedicht “Tannenwald” von Ludwig Bowitsch wurde Mitte der 1850er Jahre in der Zeitschrift “Aurora-Album” abgedruckt, die in der Digitalen Wienbibliothek online nachgelesen werden kann. Bowitsch war Jurist, arbeitete als Beamter in der Hofkammerprokuratur und verfasste spätromantische Gedichte, Märchen und Sagen.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.